02.07.2017 - 22:26 Uhr
Deutschland & Welt

Trauerfeier für Helmut Kohl Abschied von einem großen europäischen Brückenbauer

Von Werner Herpell, dpa

Maike Kohl-Richter war als einzige aus der Familie bei der Trauerfeier am Samstag für Altkanzler Helmut Kohl. Bild: Boris Roessler/dpa
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Straßburg/Speyer. Eine Vision von Europa als mahnendes Vermächtnis: Bei einem historischen Trauerakt für Helmut Kohl hat die politische Elite Mut und Idealismus für die Zukunft des Kontinents beschworen. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte Kohl im Europaparlament von Straßburg einen großen Brückenbauer, dessen unermüdlicher Einsatz für Frieden und Freiheit den nächsten Generationen Auftrag sein müsse.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker sagte vor dem in eine blaue Europaflagge gehüllten Sarg: "Helmut Kohl war ein deutscher Patriot, aber auch ein europäischer Patriot." Juncker erinnerte in seiner sehr persönlich gehaltenen, berührenden Rede an Kohls Rolle als Kanzler der deutschen Wiedervereinigung und beim Zusammenwachsen Europas. Zwischen beiden Zielen habe es für ihn keinen Widerspruch gegeben. Ohne Kohl hätte es zudem den Euro nicht gegeben, sagte Juncker. "Für ihn war der Euro stets europäische Friedenspolitik mit anderen Mitteln."

EU-Ratspräsident Donald Tusk verband seine Würdigung mit einem Appell an heutige europäische Politiker, klare Botschaften zu senden: "Ein Ja für die Union, ein Ja für die Freiheit, ein Ja für die Menschenrechte." Der französische Präsident Emmanuel Macron rief mit Blick auf den Versöhnungspolitiker Kohl zur Zuversicht auf: "Wir haben heute überhaupt keinen Anlass zur Resignation. Wir haben vielmehr Grund zu realistischem Optimismus."

Der Abschied von Kohl am Samstag war eine der größten Trauerfeierlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte. Er war am 16. Juni mit 87 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Nach Stationen im elsässischen Straßburg und in seiner pfälzischen Heimatstadt Ludwigshafen wurde der Altkanzler mit einem Gottesdienst im Dom zu Speyer geehrt. Am Samstagabend wurde Kohl im engsten Familien- und Freundeskreis auf dem Friedhof des Speyerer Domkapitels bestattet - also nicht im Familiengrab in Ludwigshafen.

Merkel sagte bei dem ersten europäischen Trauerakt für einen Politiker, Kohl sei "ein den Menschen zugewandter Weltpolitiker" gewesen. Die einstige DDR-Bürgerin dankte persönlich: "Lieber Bundeskanzler Helmut Kohl, dass ich hier stehe, daran haben Sie entscheidenden Anteil. Danke für die Chancen, die Sie mir gegeben haben." Die CDU-Chefin schilderte ihren Vorgänger als Mann der Vertrauenswürdigkeit und unerschütterlichen Überzeugung - und als Politiker, an dem sich viele gerieben hätten und der Gegenargumente scharf abwehren konnte.

Im Dom zu Speyer, zu dem Kohl ein sehr persönliches Verhältnis hatte, hielt der katholische Bischof Karl-Heinz Wiesemann die Totenmesse. "Wir nehmen Abschied von einem wahrhaft großen Staatsmann." Der Bischof drückte der Witwe Maike Kohl-Richter, aber auch den Söhnen und Enkeln Kohls sein Mitgefühl aus. Kohls Söhne, mit denen sich der Altkanzler bis zuletzt nicht versöhnt hatte, wurden beim Trauergottesdienst nicht gesehen. Vor der Beisetzung gab es ein militärisches Ehrenzeremoniell der Bundeswehr.

Der frühere US-Präsident Bill Clinton sagte, Kohl habe eine Welt gewollt, in der Zusammenarbeit mehr gilt als Konflikt. Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew, der in Straßburg als Privatperson sprach, erinnerte an die engen Beziehungen Kohls zu seinem Land.

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