Trotz 200 Milliarden Euro für Familien - Geburtenrate stagniert auf niedrigem Niveau
"Geld allein schafft keine Kinder"

Ohne staatliche Förderung würden Deutschlands Frauen vermutlich noch weniger Kinder bekommen als ohnehin schon. Doch Wissenschaftler haben auch festgestellt: Nicht jede staatliche Leistung fördert tatsächlich den Kinderwunsch. Bild: dpa
200 Milliarden Euro steckt der Staat jedes Jahr in über 150 Einzelmaßnahmen zur Familienförderung. Trotzdem stagniert die Geburtenrate auf niedrigem Niveau. Im Durchschnitt bringt eine Frau in Deutschland lediglich 1,4 Kinder zur Welt. Nur wenige westliche Industriestaaten weisen einen ähnlich niedrigen Wert auf. Verpuffen die investierten Milliardensummen also wirkungslos? Ja und nein - so ließe sich das Ergebnis von mehr als 70 Forschern zusammenfassen, die die Auswirkungen der familienpolitischen Leistungen untersucht haben.

Mit jährlichen Kosten von rund 20 Milliarden Euro ist das Ehegattensplitting einer der größten Einzelposten unter den sogenannten ehe- und familienbezogenen Leistungen. Nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler hat das umstrittene Instrument aber allenfalls "geringfügige Auswirkungen" auf die Bereitschaft zum Kinderkriegen. Kritiker bemängeln zudem, derartige steuerliche Erleichterungen sollten eher an vorhandene Kinder geknüpft werden als an den Trauschein - das diene auch dem Kampf gegen die Kinderarmut.

Doch es gibt offenbar auch Maßnahmen, die die Kinderzahlen tatsächlich positiv beeinflussen. Ohne die öffentliche Förderung von Kitas und anderen Betreuungseinrichtungen wären die Geburtenzahlen rund zehn Prozent niedriger als jetzt, sagt Holger Bonin vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Viele Frauen wollen nämlich nicht nur Mutter sein, sondern auch Karriere machen - auch um damit die Kleinfamilie finanziell über Wasser zu halten. Doch um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, muss es eben genug Betreuungseinrichtungen geben. Katharina Spieß vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) berichtet, ohne die öffentlich geförderte Kindertagesbetreuung hätten Mütter eine um 2,2 Prozentpunkte niedrigere Beschäftigungsquote. Konkret bedeutet das: Weit mehr als 100 000 Frauen, die jetzt einen Job haben, säßen anderenfalls zu Hause.

Bei der Entscheidung für ein zweites oder drittes Kind wirken sich dann nach Angaben der Forscher eher das Elterngeld und das Kindergeld positiv aus - zumal diese Maßnahmen auch das Armutsrisiko spürbar senken. Allein das Kindergeld verhindere bei 1,26 Millionen Familien das Abrutschen in Hartz IV, heißt es in dem Bericht. Trotz aller staatlicher Förderung muss ZEW-Forscher Bonin allerdings auch einräumen, dass die politischen Einflussmöglichkeiten begrenzt sind: "Geld allein schafft keine Kinder."
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