14.01.2018 - 21:10 Uhr
Deutschland & Welt

Tschechien Zeman und Drahos in Stichwahl

Die Tschechen stehen vor einer spannenden Stichwahl: Der mit seiner polternden Art beliebte Präsident Zeman trifft in zwei Wochen auf den Politikneuling und Professor Drahos. Ein harter Zweikampf.

Der Herausforderer Jiri Drahos. Bild: Petr David Josek/AP/dpa
von Autor SHJProfil

Prag. Als Milos Zeman am Tag vor der ersten Runde des Präsidentschaftswahl einer tschechischen Zeitung im Interview gestand, dass er "nervös" sei, da taten das viele Leser als Koketterie ab. Immerhin gab es in Tschechien auch Umfragen, die dem Präsidenten einen Durchmarsch zur nächsten Amtszeit im ersten Anlauf zutrauten. Zeman war da vorsichtiger. Zudem kennt er seine Pappenheimer: Die Tschechen neigten dazu, sich hinter einem Wahlverlierer zu einigen und im zweiten Wahlgang den Gewinner aus der ersten Runde in die Röhre gucken zu lassen. "Ich muss mich darauf vorbereiten, vor der Stichwahl in eine sehr schwierige Position zu kommen."

Und in genau der ist er jetzt. Zeman gewann zwar am Wochenende die erste Runde mit etwa 38,5 Prozent der Stimmen. Sein härtester Widersacher, der parteilose Chemieprofessor Jiri Drahos, kam auf nur 26,6 Prozent. Doch der Abstand täuscht. Jedes Prozent unter 40 ist unter den Erwartungen Zemans und erfordert dringend einen Plan B.

Zeman äußerte sich zwar zuversichtlich, am Ende das Rennen zu machen. Doch die gleiche Zuversicht brachte auch Drahos zum Ausdruck. Beider Chancen stehen in der Tat 50 zu 50. Die Wettbüros in Tschechien glauben an einen Sieg des vermeintlichen Außenseiters, der mit Politik bisher nichts zu tun hatte.

Drahos sagte, er lasse sich vom slowakischen Präsidenten Andrej Kiska inspirieren, der - ebenfalls von Politik völlig unbeleckt - vor vier Jahren den favorisierten Premier Robert Fico bezwang. Ganz wichtig für Drahos ist das Versprechen mehrerer unterlegener Kandidaten, ihn vor der zweiten Runde gegen Zeman unterstützen zu wollen - das, was Zeman am meisten fürchten muss. Würden deren Wähler sich auch für Drahos mobilisieren lassen, könnte der mit 1,7 Millionen zusätzlichen Stimmen rechnen, die von Zeman kaum wettgemacht werden könnten.

Sucht man nach weiteren Gründen für den Optimismus von Drahos, wird man in einer Umfrage des tschechischen Fernsehens fündig. Dort wurde nach den herausragenden Eigenschaften aller neun Kandidaten der ersten Runde gefragt. Drahos schnitt mit Abstand beim Punkt "Würde für das Amt" am besten ab; Zeman landete da auf dem letzten Platz. Offenkundig missfällt einer doch erheblichen Zahl von Tschechen der Hang Zemans zum Pöbeln und zum Alkohol oder auch der Fakt, dass er in den vergangenen Jahren immer wieder Günstlinge des früheren sozialistischen Regimes, darunter Ex-Stasi-Leute, mit Orden ehrte.

Drahos verspricht zudem, mit der von Zeman betriebenen Polarisierung der Gesellschaft Schluss zu machen und die Tschechen zu einen. Und schließlich ist da auch die Sorge vieler, dass Tschechien mit Zeman immer mehr nach Osten rücken könnte. Drahos ist ein klarer Euro-Atlantiker und steht voll zur Westbindung des Landes.

Am Samstagabend ereilte Zeman zu allem Unglück noch eine weitere kalte Dusche, als der amtierende Regierungschef Andrej Babis das Wahlergebnis kommentierte. Babis kritisierte überraschend deutlich Zemans außenpolitischen Kurs Richtung Moskau und Peking. Dort könne man zwar Geschäfte machen, müsse sich aber von der politischen Lage distanzieren. Babis betonte mehrfach, dass in der Außenpolitik zwar auch der Präsident eine gewisse Mitsprache habe, die Richtlinienkompetenz aber bei der Regierung liege. Tschechien gehöre zum Westen, zur Europäischen Union und zur Nato. Zudem empfahl der Premier dem Präsidenten, sich von einigen höchst dubiosen Beratern zu trennen. Das waren sehr bemerkenswerte Aussagen, die so niemand erwartet hatte. Diese zeigen, dass sich auch Babis einen Sieg von Drahos vorstellen kann, mit dem er dann zusammenarbeiten müsste.

Zeman hat den erwähnten Plan B zu Teilen schon verraten. Er hatte sich vor der ersten Runde der Wahl ganz auf seinen Amtsbonus verlassen und sich einer direkten Konfrontation mit seinen Widersachern verweigert. Das will er jetzt ändern und stimmte dem Vorschlag von Drahos zu, eines oder mehrere Fernsehduelle mit ihm auszutragen. Hier könnte die Entscheidung fallen.

Zeman ist erfahren in dieser Disziplin, der sich sein rhetorisch unterlegener Gegner noch nie aussetzen musste. Und Zeman kennt eine inhaltlich erhebliche Schwachstelle von Drahos: Der hat vor einiger Zeit ein Papier aus Wissenschaftlerkreisen unterzeichnet, in dem die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen in Tschechien befürwortet wurde. In dieser politischen Kernfrage steht die große Mehrheit der Tschechen voll hinter Zeman, der Flüchtlinge aus muslimischen Ländern prinzipiell ablehnt. Sollte Zeman diese Karte ausspielen, wovon man ausgehen kann, könnte sich die Waage am Ende doch noch zu seinen Gunsten neigen.

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