15.02.2018 - 19:38 Uhr
Deutschland & Welt

US-Außenminister Tillerson besucht Erdogan Konflikt zwischen USA und Türkei droht zu eskalieren

Der Konflikt zwischen den USA und der Türkei droht außer Kontrolle zu geraten. US-Außenminister Tillerson trifft bei seinem Besuch in Ankara auf frostiges Klima. In Syrien könnten sich bald Truppen der beiden Nato-Partner gegenüberstehen.

US-Außenminister Rex Tillerson (links) traf am Donnerstagabend den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Bild: Kayhan Ozer/Pool Priesidentials Press Office/dpa
von Agentur DPAProfil

Istanbul/Washington. Die "osmanische Ohrfeige" ist der Legende nach eine Taktik, die dafür trainierte Soldaten des osmanischen Heeres im Nahkampf anwendeten. Feinde und sogar Pferde soll der gewaltige Schlag mit der flachen Hand niedergestreckt haben, der psychologische Effekt auf gegnerische Truppen soll erheblich gewesen sein. Die legendäre Klatsche ist traditionell nichts, was man befreundeten Besuchern in Aussicht stellt. Vor einer Visite von US-Außenminister Rex Tillerson in Ankara drohte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan den US-Truppen in Syrien dennoch damit - was darauf hinweist, wie es um die bilateralen Beziehungen bestellt ist.

Zwar schwelt auch die Krise zwischen der Türkei und Deutschland weiter. Hauptziel von Erdogans verbalen Attacken sind aber längst die Amerikaner geworden. Der Konflikt zwischen Washington und Ankara eskaliert in so atemberaubendem Tempo, dass sogar eine militärische Konfrontation nicht ausgeschlossen scheint: Im syrischen Manbidsch könnten sich bald Truppen der beiden Nato-Partner gegenüberstehen.

Manbidsch steht für den größten Streitpunkt zwischen Washington und Ankara: die US-Unterstützung für die Kurdenmiliz YPG in Syrien. 2016 hatte ein von der YPG geführtes und den USA unterstütztes Bündnis die Stadt von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) befreit. Die YPG ist aus Sicht Washingtons ein verlässlicher Partner im Kampf gegen den IS, aus Sicht Ankaras dagegen eine Terrorgruppe, die die Türkei bedroht.

Die Türkei sieht in der YPG den syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Besonders pikant: In einem neuen Bericht der US-Geheimdienste zur "Weltweiten Bedrohungseinschätzung" wird die Einschätzung geteilt. Die PKK wird auch von den USA als Terrororganisation eingestuft. In Afrin westlich von Manbidsch geht die türkische Armee gegen die YPG vor. Erdogan hat angekündigt, danach werde auf Manbidsch marschiert, auch wenn dort US-Truppen sind. Die "New York Times" zitierte kürzlich einen US-General bei einem Besuch in Manbidsch, der mit Blick auf die Türkei sagte: "Wenn Ihr uns angreift, werden wir hart reagieren." Erdogan erwiderte: "Es ist ganz klar, dass diejenigen, die sagen ,Wir reagieren hart, wenn sie uns angreifen', in ihrem Leben noch keine osmanische Ohrfeige verpasst bekommen haben." Zwar werde man "nicht absichtlich auf sie zielen", sagte Erdogan - er meinte die US-Truppen. "Aber wir verkünden jetzt schon, dass wir jeden Terroristen, den wir sehen, vernichten und ausmerzen werden - angefangen mit denen, die direkt neben ihnen stehen."

Für Empörung sorgten in Ankara Haushaltspläne des Pentagons, die 550 Millionen Dollar für Ausbildung, Ausrüstung und Grenzsicherung in Syrien vorsehen. Davon profitieren, so befürchtet die türkische Regierung, dürfte vor allem die YPG. Außerdem sollen in Syrien und im Irak weiterhin knapp 5800 US-Soldaten verbleiben - obwohl der IS in den beiden Ländern in der Fläche weitgehend besiegt ist.

Für den großen Verbündeten USA ist Erdogans Türkei nicht erst seit den jüngsten Äußerungen des Staatschefs zu einem weiteren Problemfall in der Nahost-Region geworden - auch wenn die Regierung von Donald Trump das nach außen hin nicht ganz so hart darstellen will. Das US-Politikportal "Politico" attestierte der Türkei, sie sei "außer Kontrolle".

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp