26.09.2017 - 21:06 Uhr
Deutschland & Welt

Verbindungen zu Berlin-Attentäter Anis Amri: Abu Walaa vor Gericht

Der Iraker Abu Walaa gilt als Führungsfigur des IS in Deutschland. Reihenweise junge Männer soll er von einer Hildesheimer Moschee aus für die Terrormiliz mobilisiert haben. Seit Dienstag stehen er und vier weitere mutmaßliche Top-Islamisten vor Gericht.

Der wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung angeklagte Abu Walaa im Oberlandesgericht in Celle in Niedersachsen. Bild: Julian Stratenschulte/dpa
von Agentur DPAProfil

Celle. Abu Walaa gilt als "Prediger ohne Gesicht", bei seinen Hassbotschaften im Internet zeigt er sich nur von hinten. Seit Dienstag muss sich der mutmaßliche Deutschlandchef der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Celle vor dem Oberlandesgericht verantworten. Dort können die Zuschauer dem Mann nun in die Augen blicken. Laut Anklage ist der 33-jährige Iraker verantwortlich für die Ausreise zahlreicher radikalisierter junger Menschen in die IS-Kampfgebiete. Mit ihm sind vier IS-Unterstützer im Alter zwischen 27 und 51 Jahren angeklagt. Allen wird Unterstützung und Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Kontakte zu Anis Amri

Beim inzwischen verbotenen "Deutschen Islamkreis Hildesheim" soll Abu Walaa radikal-islamische Predigten gehalten und die Moschee zu einem bundesweiten Rekrutierungszentrum des IS gemacht haben. Laut Anklage indoktrinierte das Netzwerk junge Menschen und schickte sie nach Syrien oder in den Irak. Zwei in der Anklage genannte Zwillinge aus Castrop-Rauxel sollen sich dort als Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt haben, wobei rund 150 Regierungssoldaten starben. Während der Schilderung dieses Räderwerks des Terrors lächelt Abu Walaa immer wieder, manchmal schüttelt er den Kopf. Auch der Berlin-Attentäter Anis Amri soll sich im Umfeld von Abu Walaa und seinem Netzwerk aufgehalten haben. Kontakte soll es über den verschlüsselten Messengerdienst Telegram gegeben haben.

Seminare in Berlin

Zudem war der von den Sicherheitsbehörden seit Jahren beobachtete Prediger Abu Walaa in Nordrhein-Westfalen aktiv, wo er in Tönisvorst bei Krefeld lebte. Er organisierte auch Islamseminare in Moscheen in Berlin, Kassel, Frankfurt und dem westfälischen Bocholt. Mit sympathischem Lächeln redet Abu Walaa, der die Haare kurz rasiert hat, mit seinem Anwalt. Man kann sich vorstellen, dass er Menschen für sich gewinnen kann - und wie die Bundesanwaltschaft überzeugt ist: für einen fanatischen Glaubenskrieg.

Belastet wird Abu Walaa von mehreren V-Leuten der Polizei sowie einem ehemaligen IS-Sympathisanten aus Gelsenkirchen. Der Kronzeuge sagte sich nach einer Syrienreise von der Terrormiliz los und packte bei den Ermittlern aus, er erhielt im Mai eine Bewährungsstrafe. Die Verteidigung hält den Kronzeugen für einen Hochstapler. Abu Walaas Verteidiger Peter Krieger sagte, der Kronzeuge erzähle "fantastische Geschichten", die die Behörden nicht überprüft hätten. Und eines lässt aufhorchen: Die Verteidigung behauptet auch, der auf Abu Walaa angesetzte V-Mann "VP01" des Landeskriminalamtes NRW habe Anis Amri immer wieder zum Verüben von Anschlägen aufgefordert. Deswegen, so die Vermutung der Anwälte, dürfe dieser wohl nicht in Celle als Zeuge aussagen.

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