Verwaltungsgericht soll vermitteln: Betreiber der Regensburger Adler-Touristenbahn sieht sich ...
Adler-Schrei und Dampf-Prozess

Regensburg. (pk) Mächtig Dampf könnte es geben, wenn das Verwaltungsgericht Regensburg ab heute in Sachen der "Königlich Bayerischen Dampfeisenbahn" Regensburg zwischen deren Direktor Erhard Adler und der Stadt Regensburg zu vermitteln sucht.

Über elf Verfahren in einer einzigen Streitsache wird das Gericht befinden müssen. Denn Erhard Adler, selbst ernannter "Direktor" der von ihm gegründeten "Königlich Bayerischen", der er eine "Königlich Preußische" und eine "Königlich Sächsische" folgen ließ, klagt namens aller drei "Dampfeisenbahngesellschaften", zudem mit eigenem Namen, im Namen seiner Frau und seiner Tochter.

Dort, wo sein auch als "Adler-Zug" benannter, mit Blech zur Lokomotive kostümierter Traktor untergestellt ist, wollte er einen "Bahnhof" mit Fahrkartenschalter und Souvernirladen ausbauen. Der Bau wurde im Januar 1994 eingestellt, Adler sollte für die Sanierung eine Tektur nachreichen. Bestandspläne wurden eingereicht, die auch den Stempel des beauftragten Architekturbüros trugen. Aber als im Juli 1994 die Stadt die Genehmigung erteilte, wollte der Dampfeisenbahn-Direktor sie nicht mehr haben. Zwei Klagen, die Baugenehmigung für nichtig zu erklären, wies das Verwaltungsgericht Regensburg schon ab.

Elf Klagen auf den Weg gebracht

Im Mai 1999 beantragte Adler, die Stadt dazu zu verurteilen, "die Bestandsskizze sofort und unverzüglich zu entfernen". Juristisch "nicht unschlau", wie ein Verwaltungsrichter formulierte, versucht der streitbare Adler, dasselbe Ziel auf neuem Weg zu erreichen: Seine elf Klagen zielen darauf ab, das Gericht möge feststellen, dass der Bauantrag vom 14. Juli 1994 nach der Bayerischen Bauordnung "nicht vorhanden" sei. Damit unterstellt der Geschäftsmann der Stadt Regensburg, sie hätte eine Genehmigung zu einem Bauantrag erteilt, der so überhaupt nicht eingereicht wurde - im Klartext, sie habe die eingereichten Unterlagen gefälscht.

Dass das Verwaltungsgericht sich mit dem Fall befassen muß, ist trotz manchen Kopfschüttelns eindeutig. Weil Erhard Adler geschäftsfähig ist, ist er auch prozessfähig.

"Vernünftig reden" ist das Ziel

Architekt und Mitarbeiter des Architekturbüros sind ebenso geladen wie das Ehepaar Adler, mit dem die Kammer "vernünftig reden will" - nicht zuletzt, um eine weitere Verfahrensflut zu vermeiden. Ziel der Verhandlung wird es sein, den Kläger dazu zu bringen, einen Tekturantrag zu stellen, der genehmigt werden kann, damit der Bau weitergeht und alle Beteiligten Ruhe finden.

Die Sache mit den Parkuhren

Die war all die Jahre nicht gegeben. "Existenzvernichtung" unterstellte Adler der Stadt, die vor der Ausfahrt seines Zuges an der Thundorfer Straße entlang der Donau mehrere Parkuhren aufstellen ließ und ihm damit das Rangieren mit der Traktor-Lok erschwerte. Mahnbescheide gegen 17 Stadträte über jeweils 5000 Mark, an die Stadt selbst eine Forderung in Höhe von zwei Millionen Mark, eine Million Schadenersatz von Regierungspräsident Dr. Wilhelm Weidinger prasselten aus Adlers Lüften auf die Domstädter herab. Mit einem haushohen roten Transparent an seinem unfertigen Bau machte der "Direktor" sie zudem auf die ihm zugemutete Unbill und die von ihm angestrengten juristischen Konsequenzen aufmerksam. Das Verwaltungsgericht, das diesmal in erster Linie ausgleichend und beschwichtigend wirken will, dürfte es nicht leicht haben, die tiefen Gräben zu überbrücken. Aber vielleicht hilft es ja schon ein bisschen, wenn der erbitterte Dampfeisenbahn-Direktor "g´richtsmassig" Dampf ablassen kann...