Vier Labors testen Nervengift
OPCW: Skripal mit Nowitschok vergiftet

Soldaten tragen bei der Ermittlungen zur Vergiftung des Ex-Agenten Skripal und dessen Tochter Schutzanzüge. Beide waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank entdeckt worden. Bild: Andrew Matthews/dpa

Der Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Skripal in Südengland löste schwere Spannungen zwischen dem Westen und Russland aus. Nun bestätigt die OPCW den Einsatz des Giftes. Doch wer steckt hinter dem Anschlag?

Den Haag. Knapp sechs Wochen nach dem Attentat auf den früheren russischen Doppelspion Sergej Skripal und seine Tochter Julia haben unabhängige Experten den Einsatz des Nervengiftes Nowitschok bestätigt, aber keine Hinweise auf die Täter oder Drahtzieher geliefert. Die Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) veröffentlichte am Donnerstag in Den Haag die Ergebnisse der Untersuchung ihrer Experten. Diese bestätigen britische Angaben, nach denen der in der früheren Sowjetunion fabrizierte Stoff Nowitschok verwendet worden war. Die OPCW äußerte sich aber nicht dazu, woher das Gift kam und wer daher vermutlich für den Anschlag Anfang März in Salisbury verantwortlich ist. Die Ergebnisse der Analyse in den Labors "bestätigen die Ergebnisse Großbritanniens", teilte die Den Haager Organisation mit. Der Stoff, dessen Name nicht genannt wird, sei von hoher Reinheit. Name und Struktur des chemischen Stoffes seien allerdings im Bericht aufgeführt, der nichtöffentlich sei.

Der britische Außenminister Boris Johnson sagte, der OPCW-Bericht stütze seine Schlussfolgerung, dass Russland für den Anschlag verantwortlich sei. Er bestätige, dass das in Russland entwickelte Nowitschok bei dem Anschlag eingesetzt worden sei. Das Ergebnis basiere auf Tests von vier unabhängigen, hoch angesehenen Labors aus aller Welt. Alle hätten dieselben schlüssigen Ergebnisse. "Es gibt keinen Zweifel, was benutzt wurde, und es gibt keine andere Erklärung, wer dafür verantwortlich ist - nur Russland hat die Mittel, ein Motiv und die Erfahrung", so Johnson. Der Kreml müsse nun Antworten geben und der Gebrauch solcher Waffen beendet werden.

Die russische Regierung wies die Verdächtigungen erneut zurück. Russland habe keine anderen Kampfstoffe besessen als jene, die der OPCW gemeldet worden seien, sagte der stellvertretende Industrieminister Georgi Kalamanow in Moskau. Sie seien alle bis 2017 unter Aufsicht der OPCW vernichtet worden. Maria Sacharowa, Sprecherin des Außenministeriums sagte, Russland akzeptiere keine Ermittlungsergebnisse, so lange Moskau keinen Zugang zu den Untersuchungen Großbritanniens und der OPCW erhalte. Einem deutschen Chemiewaffenexperten zufolge, weist der unabhängige Bericht über das Nervengift auf ein staatliches Labor als Hersteller hin. Das könne aus dem in dem Report festgestellten Reinheitsgrad des Kampfstoffes geschlossen werden, sagte der Chemiker Ralf Trapp.
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