Vize-Chef McCabe zwei Tage vor Ruhestand entlassen
Trumps Rachefeldzug gegen das FBI

Andrew McCabe. Archivbild: Alex Brandon/dpa

US-Präsident Donald Trump nimmt sich erneut das FBI vor. Dessen Ex-Vize wird gefeuert, auf besonders brutale Weise. Es geht um die Russland-Ermittlungen - und wohl auch um eine alte Bekannte.

Washington. US-Präsident Donald Trump hat einen neuen Frontalangriff gegen das FBI gestartet und die jüngste Entlassung von Ex-Vizechef Andrew McCabe gefeiert. Sein Anwalt John Dowd forderte das Justizministerium auf, nun unverzüglich die FBI-Russland-Untersuchungen unter Sonderermittler Robert Mueller einzustellen. Sie seien von vornherein ein Fehler und "korrumpiert durch politische Vorurteile" gewesen.

Kritiker werteten das und die Umstände der Entlassung McCabes als weiteres klares Zeichen für systematische Versuche Trumps, die Russland-Ermittlungen loszuwerden. McCabe war am späten Freitagabend (Ortszeit) von Justizminister Jeff Sessions gefeuert worden - zwei Tage vor seinem 50. Geburtstag, an dem er ohnehin vorzeitig in den Ruhestand gehen wollte. Mit der Entlassung kurz davor könnte er einen Teil seiner Pension verlieren.

Trump bejubelte die Entlassung und schrieb auf Twitter von einem "großartigen Tag für die Demokratie". Es folgten dann am Wochenende eine ganze Reihe von Tweets, in denen er dem FBI unter anderem "undichte Stellen, Lügen und Korruptheit" bis hinauf in die Spitze vorwarf. Trump hatte bereits seit Monaten massiv gegen McCabe geschossen und wiederholt seine Entlassung verlangt. McCabe war unter diesem Druck bereits Anfang 2018 von seinem Posten als FBI-Vize zurückgetreten und seitdem ein einfacher Beamter. In der Vergangenheit hatte er zeitweilig unter dem vor zehn Monaten von Trump gefeuerten FBI-Direktor James Comey gearbeitet.

McCabe war nicht nur in die Russland-Ermittlungen involviert, bei denen es unter anderem um eine mögliche Zusammenarbeit des Trump-Lagers mit Moskau zur Beeinflussung der US-Präsidentenwahl 2016 geht. Er hatte auch die Aufsicht über die Untersuchungen in der E-Mail-Affäre um Trumps demokratische Wahlrivalin Hillary Clinton. Diese Ermittlungen hatten zu keiner Strafverfolgung geführt - was Trump bis heute wütend macht. Offiziell wurde die Entlassung mit dem Vorwurf begründet, McCabe habe Medien interne Informationen gegeben und später bei Befragungen darüber falsche Angaben gemacht, mehrfach auch unter Eid. McCabe widersprach dem vehement. Er sei von Trump unter anderem deshalb ins Visier genommen worden, weil er Comeys Aussagen über Trumps massiven Druck auf ihn im Zusammenhang mit den Russland-Ermittlungen untermauern könne. Dem Präsidenten gehe es darum, seine - McCabes - und Muellers Reputation zu beschädigen.

Nach Medienberichten hat der Ex-FBI-Vize ähnlich wie Comey Notizen über seine eigenen Gespräche mit Trump gemacht, die jetzt Sonderermittler Mueller vorlägen. Trump bestritt das am Sonntag: McCabe habe niemals etwas aufgeschrieben, wenn er mit ihm zusammen gewesen sei.

Der ehemalige Direktor des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, John Brennan, kritisierte Trump nach der Entlassung in schärfster Form. "Wenn das volle Ausmaß Ihrer Käuflichkeit, moralischen Verderbtheit und politischen Korrumpierung bekannt wird, werden Sie als Demagoge in Schande Ihren rechtmäßigen Platz im Mülleimer der Geschichte einnehmen", antwortete Brennan auf den Tweet Trumps. "Sie können Andy McCabe zum Sündenbock machen, aber Sie werden Amerika nicht zerstören ... Amerika wird über Sie triumphieren." Der US-Präsident hatte sich auch öffentlich wiederholt daran gestoßen, dass sich McCabes Frau für die Demokraten um einen Sitz im Senat des Bundesstaates Virginia beworben hatte.
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