03.05.2017 - 21:26 Uhr
Deutschland & Welt

Von der Leyen besucht Illkirch Korpsgeist auf der Spur

Spurensuche im Jägerbataillon 291: Ministerin von der Leyen begibt sich nach Illkirch, um der Affäre um Franco A. auf den Grund zu gehen. Sie will Präsenz zeigen. Denn sie steht unter Druck wie nie.

von Agentur DPAProfil

Illkirch. Nachdem Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen aus dem "Bunker" kommt, spricht sie erstmal von vergangen geglaubten Zeiten. "Die Wehrmacht ist in keiner Form traditionsstiftend für die Bundeswehr", sagt sie empört. "Einzige Ausnahme sind einige herausragende Einzeltaten im Widerstand. Aber sonst hat die Wehrmacht nichts mit der Bundeswehr gemein."

Von der Leyen hat den Gemeinschaftsraum des Bataillons des terrorverdächtigen Soldaten Franco A. besucht, wo Kameradschaftsabende gefeiert wurden. Hier steht ein altes Sofa, eine Bar, an der Wand hängen Waffen, gemalte Wehrmachtssoldaten in Heldenposen.

Marode statt modern

Von der Leyen wollte eigentlich alles anders machen. Sie preschte als erste Verteidigungsministerin Deutschlands vor mit großen Vorhaben, wollte die Truppe moderner und attraktiver machen, Familie und Dienst vereinbaren, Personal und Material stärken. Nun ist die Legislaturperiode fast vorbei. Und die Ministerin muss sich mit dem "Bunker" auseinandersetzen, mit Wehrmachtspostern und Hakenkreuzschmierereien.

Pfullendorf, Bad Reichenhall, Sondershausen, nun die Affäre um Franco A. - immer wieder Schlagzeilen über Missstände in der Truppe. Immer wieder verspricht von der Leyen rigorose Aufklärung. Wird der Fall des Oberleutnants der Befehlshaberin am Ende gefährlich? Der Wahlkampf steht an, der Skandal und sie selbst könnten zum Thema werden und sie die Karriere kosten. Im Kabinett nahm sich Merkel für sie nur wenig Zeit. Die Opposition schießt sich bereits fleißig auf sie ein.

Von der Leyen gilt als Kommunikationsprofi. Sie weiß sich in Szene zu setzen. Aber weil sie der Bundeswehr nach Bekanntwerden der jüngsten Affäre Haltungsprobleme attestierte, manövrierte sie sich selbst ins Kreuzfeuer. Nun muss sie handeln, macht den Fall zur Chefsache, sagt eine lang geplante USA-Reise ab. Das Flugzeug ist randvoll gefüllt mit Journalisten. Die Ministerin wirkt am Mittwoch blass. Aber ihr Redebedürfnis ist groß, sie will sich erklären. Die Maschine dreht zwei Extrarunden über Stuttgart, damit der Ministerin mehr Zeit bleibt für die Presse.

Dann die Einfahrt zum Jägerbataillon 291, Illkirch. Gekreuzte Lanzen und Eichenlorbeerblatt stehen auf dem Wappen der Jäger. Ein Heeressprecher bittet die Presse vorab, die Soldaten in Ruhe zu lassen. Das sei kein Maulkorb, aber es gehe um laufende Ermittlungen. "Ich bin auch gekommen, um ihnen den Rücken zu stärken", sagt die Ministerin an die Soldaten gerichtet. Der Großteil verdiene Respekt. "Wir sollten uns vor Pauschalisierungen hüten." Die Ministerin verspricht lückenlose Aufklärung. Personelle Konsequenzen schließt sie nicht aus.

Rechtsextremes Netzwerk

Franco A. führte ein Doppelleben als syrischer Flüchtling, hatte Zugang zu Waffen, plante womöglich einen Anschlag, um ihn Asylbewerbern in die Schuhe zu schieben. Er soll eine Todesliste geführt, Munition aus Bundeswehrbeständen gestohlen haben. Er hatte wohl Mitwisser, gegen ein kleines rechtsextremes Netzwerk aus mehreren Soldaten wird ermittelt.

Bereits in seiner Abschlussarbeit wettert A. gegen Einwanderung, die Deutschland kaputt mache. Der französische Schulkommandant bringt den Fall zum deutschen Verbindungsoffizier, der schiebt die rassistische Schrift zum Streitkräfteamt. Der dortige Wehrdisziplinaranwalt hört den Soldaten an, lässt die Sache als Ausrutscher durchgehen. Es gibt nicht mal eine Disziplinarstrafe.

Von der Leyen trifft einen Führungskreis. Der Heeresinspekteur Jörg Vollmer muss vortragen. Von der Leyen sucht nach Bruchstellen in der Berichtskette, sieht ein systemisches Problem. Nicht, dass der Skandal zur Bruchstelle ihrer eigenen Karriere wird. Von der Leyen wurde jahrelang als mögliche Nachfolgerin von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gehandelt. Davon spricht derzeit niemand.

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