17.05.2006 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Von Verbalterror bis Sachbeschädigung: Gerüchte lassen in Tännesberg Gewalt eskalieren Streit und Hass in der Pfarrei

"Tännesberg ist eine aufgeschlossene, moderne Pfarrei", heißt es auf der Homepage. Anschuldigungen und Gerüchte führten jedoch zu einer Eskalation von Gewalt, die eher auf tiefstes Mittelalter schließen lässt. Von Hass, Hetzkampagnen und sogar von "Terrorismus" ist die Rede. Eine Folge: Am Wochenende verkündete Pfarrer Edward Sebastian Jeyakumar seinen Abschied aus Tännesberg.

von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Der Geistliche begründete am Dienstag seinen Entschluss mit einem Mangel in der Zusammenarbeit zwischen ihm und Mitarbeitern der Pfarrei. Näher wollte er sich nicht äußern. Darüber schüttelten viele Pfarrangehörige nur den Kopf, denn die Kooperation sei gut gewesen.

Eines von vielen Gerüchten handelte davon, dass der indische Geistliche aus der Gemeinde geekelt werden sollte. "Haltlose Unterstellungen", beteuerten die Betroffenen. Eine weitere Mutmaßung galt den Umständen, wie die noch amtierende Pfarrsekretärin ins Amt gekommen war. Sie hatte das einstimmige Vertrauen der Kirchenverwaltung. Die Stelle nicht auszuschreiben, entpuppte sich im Nachhinein als Fehler, meinte ein Kenner.

Polizei ermittelt

Eine Reihe weiterer Anschuldigungen, Mutmaßungen und Vorwürfe ließen vergangene Woche das Fass von verbalem Terror in Sachbeschädigung überlaufen. Vandalen hatten es, wie berichtet, auf ein Einfamilienhaus an der St.-Jodok-Straße abgesehen.

Dabei entstand ein Schaden von über 1000 Euro. Die Polizei Vohenstrauß ermittelt noch und geht von einer "persönlichen Motivlage" aus, da auf Nachbargrundstücken nichts passiert sei, erklärte stellvertretender Inspektionsleiter Norbert Kellner.

Am Wochenende musste sogar Domkapitular Dr. Franz Frühmorgen aus Regensburg nach Tännesberg reisen, um die Wogen zu glätten (wir berichteten). Er appellierte an die Gläubigen, einen Schlussstrich zu ziehen und einseitige Schuldzuweisungen sein zu lassen. "In eine Pfarrei, in der Streit und Hass herrschen, geht mir kein Pfarrer." Trotzdem scheint es immer noch einige Unbelehrbare zu geben, die glauben, an den Gerüchten sei etwas dran.

Für Dekan Gerhard Wagner vom Dekanat Leuchtenberg ist die Sache erledigt: "Am Sonntag war der Domkapitular in Tännesberg und hat alles gesagt, was zu sagen ist." Und auch von der ansonsten nie um eine Mitteiung verlegenen Pressestelle des Bischöflichen Ordinariats in Regensburg waren am Dienstag keine weiteren Details zu erfahren.

Lösungen wären gewesen, Vermutungen früher zu dementieren oder persönliche Gespräche zu suchen. Der Seelsorger hätte einfach sagen sollen, was ihn störte oder nicht passte. Stattdessen habe er die "Probleme in sich hineingefressen", sagte Bürgermeister Matthias Grundler. Er bedauerte, dass offensichtlich Politisches in die Pfarrgemeinde hineingetragen und vermischt worden sei.

Neues Feuerwerhaus

Denn um die Schusterhalle schwelt schon länger eine hitzige Debatte. Vor sechs Jahren hatte die Gemeinde die frühere Tischfabrik gekauft, um das Gebäude als Bauhof und Feuerwehrhaus nutzen zu können. Ein Abstimmungspatt im Marktrat bedeutete vor kurzem das Aus für die Pläne. Daraufhin traten beide Feuerwehr-Kommandanten zurück. Seit Freitag gibt es einen einstimmigen Beschluss des Gremiums für einen Neubau des Gerätehauses.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.