Vor allem Frauen wählen Alexander Van der Bellen
Mit weiblicher Hilfe

"Ich werde ein weltoffener, proeuropäischer Präsident der Republik Österreich sein." Zitat: Alexander Van der Bellen

Auf den neuen Präsidenten Österreichs wartet eine Herkulesaufgabe: Er muss die politische Spaltung im Land überwinden. Gewählt haben den Ex-Grünen vor allem Frauen.

Wien. Der neue österreichische Präsident Alexander Van der Bellen will vor seinem ersten größeren öffentlichen Auftritt das offizielle Endergebnis abwarten. Das gebiete schon die "politische Etikette", sagte ein Sprecher des 72-jährigen Wirtschaftsprofessors am Montag.

Das offizielle Endergebnis - nach Auszählung auch der rund 700 000 Briefwahlstimmen - soll erst am Dienstagmittag verkündet werden. Grund ist, dass eine von insgesamt 113 Bezirkswahlbehörden, nämlich Innsbruck-Land, erst spät mit dem Auszählen fertig sein wird. Aufgrund des deutlichen Abstands zwischen den Kandidaten wird sich am Wahlausgang aber nichts mehr ändern. Laut Hochrechnung kommt Van der Bellen auf 53,3 Prozent der Stimmen, der FPÖ-Kandidat Norbert Hofer auf 46,7 Prozent.

Abstand gewachsen

Van der Bellen hatte am Sonntagabend nach seiner Wahl zum neuen Staatsoberhaupt Österreichs seinen künftigen Kurs in einem ersten kurzen Statement skizziert. "Ich werde ein weltoffener, proeuropäischer Präsident der Republik Österreich sein." Er ist der erste Präsident Österreichs aus den Reihen der Opposition. Betrug der Abstand zwischen beiden Kandidaten bei der ersten Stichwahl vor gut sechs Monaten nur rund 30 000 Stimmen, waren es jetzt rund 300 000 Stimmen. Die Wahl vom 22. Mai war später gerichtlich annulliert worden. Die damals schon hohe Wahlbeteiligung von 72,7 Prozent legte noch einmal auf rund 74 Prozent zu.

Nach einer Analyse des Sozialforschungsinstituts Sora verdankte Van der Bellen seinen Sieg nicht zuletzt der Unterstützung vieler Frauen. 62 Prozent der Wählerinnen stimmten für ihn. Unter den Männern hatte Hofer die Nase vorn. Generell ist es Van der Bellen besser gelungen, seine Anhänger zu mobilisieren.

Gerade diejenigen, die die Zukunft optimistisch einschätzen, stimmten für Van der Bellen. Von ihnen gingen viele zur Wahl - im Gegensatz zu den Pessimisten, die eher zu Hofer neigten und zu Hause blieben. Beim Kampf um die Wähler der konservativen ÖVP bewies Van der Bellen laut Sora-Analyse ebenfalls mehr Geschick. 55 Prozent der ÖVP-Anhänger stimmten für den ehemaligen Grünen-Chef. Allerdings: Durch den langen Wahlkampf und durch manche wenig staatsmännischen Auftritte litten laut Analyse die Glaubwürdigkeit und die Sympathiewerte beider Kandidaten deutlich.

Der bisherige Bundespräsident Heinz Fischer war am 8. Juli 2016 nach zwölf Amtsjahren ausgeschieden. Seitdem übernahm das dreiköpfige Nationalratspräsidium die Amtsgeschäfte. Van der Bellen soll am 26. Januar für die Dauer von sechs Jahren vereidigt werden. Die FPÖ hat bereits angekündigt, die Wahl diesmal nicht anzufechten.

FPÖ macht sich Mut

Die Rechtspopulisten wollen sich von der Niederlage nicht entmutigen lassen. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache schrieb am Montag auf Facebook: "2017 wird das Jahr der Freiheitlichen! Unsere Zeit kommt!". Die Schlappe sei aber wahrscheinlich nicht ganz spurlos an den FPÖ-Anhängern vorbeigegangen. "Heute, naja, heute geht der eine oder andere von uns vielleicht mit einer Sonnenbrille einkaufen, aber morgen arbeiten wir noch härter weiter, für unser Österreich und unsere Kinder", so der Parteichef.

Ich werde ein weltoffener, proeuropäischer Präsident der Republik Österreich sein.Alexander Van der Bellen
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