05.11.2017 - 16:24 Uhr
Deutschland & Welt

Vor der Klimakonferenz in Bonn Demos gegen Braunkohle und düsterer US-Report

Die Welt berät in Bonn über die Rettung des Klimas, an diesem Montag geht es los. Zuvor machen Demonstranten im rheinischen Tagebaurevier Druck. Eine Umfrage zeigt, dass auch ein Großteil der Bundesbürger einen schnellen Kohleausstieg Deutschlands will.

Teilnehmer einer Demonstration des Aktionsbündnisses Ende Gelände drangen am Sonntag in Kerpen (Nordrhein-Westfalen) in den Tagebau Hambach ein. Bild: Henning Kaiser/dpa
von Redaktion OnetzProfil

Bonn. Vor dem Auftakt der Bonner Weltklimakonferenz haben die Umweltschützer aus den USA Beistand erhalten. Ungeachtet der Position von Präsident Donald Trump heißt es in einem von 13 US-Behörden veröffentlichten Dokument, dass die globale Erwärmung zum weitaus größten Teil von Menschenhand verursacht werde. Zudem warnen die Autoren vor einem möglichen Anstieg der Meeresspiegel um bis zu 2,44 Meter bis zum Jahr 2100.

Der Klimareport bietet inhaltlich im Grunde wenig Überraschendes. Allerdings finden sich darin noch einmal deutliche Formulierungen. "Es ist extrem wahrscheinlich, dass menschliche Aktivitäten, insbesondere der Ausstoß von Treibhausgasen, die dominante Ursache der seit Mitte des 20. Jahrhunderts beobachteten Erwärmung ist", heißt es. Es gebe "keine alternative Erklärung". Trump hatte im Sommer einen Ausstieg der USA aus dem 2015 beschlossen Klimaschutzabkommen angekündigt. Für die verbliebenen Nationen geht es in Bonn bis zum 17. November darum, Regeln zu definieren, wie die vereinbarten Ziele erreicht werden können.

Nach Veranstalterangaben beteiligten sich an der Aktion am Sonntag rund 4500 Umweltschützer, die Polizei sprach von 2500 Teilnehmern. Nach Polizeiangaben drangen dabei mehrere hundert Umweltaktivisten in den Tagebau Hambach ein, um mit Blockade-Aktionen gegen die Braunkohleverstromung zu protestieren. Die Klimadebatte ist auch ein großer Streitpunkt in den Jamaika-Sondierungen von Union, FDP und Grünen. Zwar haben sich die Parteien zu den deutschen und internationalen Klimazielen für 2020, 2030 und 2050 bekannt. Wie sie erreicht werden sollen, blieb aber offen. Die Verstromung von Braunkohle gilt als mit Abstand klimaschädlichste Form der Stromgewinnung und als wesentlich mitverantwortlich für ein mögliches Verfehlen der deutschen Klimaziele. Andererseits stammt weiter knapp ein Viertel des deutschen Stroms aus der Braunkohle. Bereits am Samstag hatten in Bonn Demonstrationen mit rund 10 000 Klimaschützern begonnen. Nach einer Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" sind 59 Prozent der Deutschen dafür, dass die nächste Bundesregierung den Kohleausstieg beschließt, und 31 Prozent dagegen. 69 Prozent der 504 Befragten wollen demnach Umwelt- und Klimaschutz im Zweifel Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen geben, 27 Prozent wollen das nicht.

Nach einem Bericht des "Spiegel" geht die Bundesregierung nicht mehr davon aus, dass sie die selbst gesteckten Ziele erreichen kann. Das gehe aus einem Regierungspapier hervor, in dem es heiße: Das Scheitern am 2020er-Ziel einer Reduzierung von 40 Prozent Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 zeichne sich "nunmehr deutlich ab". Vor Beginn der Klimakonferenz hat das Umweltbundesamt seine Forderung nach einer bundesweiten Maut für sämtliche Kraftfahrzeuge erneuert. "Ich plädiere für eine Maut, die kilometerabhängig auf allen Straßen und für alle Kraftfahrzeuge erhoben wird", sagte Behördenchefin Maria Krautzberger der Tageszeitung "Die Welt". Um den Klimawandel aufzuhalten, müsse das Autofahren insgesamt reduziert werden.

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