31.08.2017 - 22:10 Uhr
Deutschland & Welt

Vor Fernseh-Duell SPD schöpft Hoffnung

Die SPD liegt vor dem TV-Duell in den Umfragen 13 bis 18 Prozentpunkte hinter der Union. Glaubt sie selbst noch daran, dass das aufzuholen ist? Vizekanzler Gabriel lässt Zweifel daran aufkommen, räumt diese später aber wieder aus.

von Agentur DPAProfil

Berlin/Hamburg. Außenminister Sigmar Gabriel glaubt trotz des großen Umfrage-Rückstands zur Union, dass die SPD bei der Bundestagswahl am 24. September stärkste Kraft werden kann. "Die letzten Wochen und Monate haben doch gerade gezeigt, dass auch die SPD die Chance hat, vor CDU und CSU zu liegen", sagte der frühere SPD-Chef am Donnerstag. "Fast 50 Prozent der Menschen sind noch nicht entschieden."

Gabriel räumte damit Irritationen aus, für die eine Aussage von ihm bei einer "Spiegel"-Veranstaltung am Mittwochabend gesorgt hatte. "Eine große Koalition ist deshalb nicht sinnvoll, weil damit die SPD nicht den Kanzler stellen kann", sagte er. Wenn die SPD stärkste Kraft im Bundestag wird, könnte sie theoretisch aber auch in einer großen Koalition den Kanzler stellen. Deswegen konnte die Äußerung Gabriels so verstanden werden, dass er nicht mehr mit Platz 1 der SPD bei der Wahl rechne. Die Sozialdemokraten und ihr Kanzlerkandidat Martin Schulz kommen in den Umfragen auf 22 und 24 Prozent, die Union auf 37 bis 40 Prozent.

Bisher hatte Gabriel seine Ablehnung einer neuen großen Koalition mit inhaltlichen Differenzen begründet. Gabriel ist seit 2013 Vizekanzler in der schwarz-roten Regierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Der Außenminister erhofft sich vom TV-Duell am Sonntag (20.15 Uhr in ARD, ZDF, Sat.1 und RTL) einen Aufwärtstrend für die SPD. "20 Millionen Zuschauer sind eine große Chance für die SPD, denn dort kann Frau Merkel nicht mehr ausweichen", sagte er.

Schulz will bei dem Duell mit Inhalten überzeugen. "Ich habe nicht die Absicht, Frau Merkel persönlich zu attackieren", sagte der SPD-Vorsitzende. Er kritisierte aber, dass die CDU nur ein Konzept habe: "Das heißt Angela Merkel."

Eine Neuauflage der großen Koalition hält Schulz für unwahrscheinlich. "Ich habe den Eindruck, die Union will diese große Koalition nicht fortsetzen. Ich glaube, wir auch nicht." Sein Ziel sei es, Kanzler zu werden. Nach den derzeitigen Umfragen gibt es aber keine Koalitionsoption, bei der die SPD den Kanzler stellen könnte. Weder ein Bündnis mit Linken und Grünen noch eine Ampelkoalition mit FDP und Grünen hätten eine Mehrheit. Gabriel gab sich trotzdem zuversichtlich. "Natürlich gibt es ... die Chance auf Regierungsmehrheiten jenseits der CDU/CSU", sagte er. "Der Wahlkampf lohnt sich und ich stimme der Allensbach-Forscherin Köcher zu: Nichts ist entschieden."

Bis auf eines: CSU-Chef Horst Seehofer kann sich keine Koalition mit den Grünen mehr vorstellen. "Ich habe in den letzten Wochen und Monaten zwischen den Zeilen immer wieder angedeutet, man könnte auch mit den Grünen reden, sondieren. Aber das haben die jetzt kräftig verspielt", sagte der bayerische Ministerpräsident mit Blick auf Differenzen bei Themen wie Verbrennungsmotoren, Steuerpolitik, Zuwanderung und innere Sicherheit.

Ich habe nicht die Absicht, Frau Merkel persönlich zu attackieren.Martin Schulz vor dem TV-Duell.
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