Wahlkampf per Facebook
So machte sich Donald Trump die sozialen Medien zunutze

Nach dem Wahlsieg von Donald Trump entbrannte eine heiße Debatte um "Fake News", die Stimmung für den Kandidaten der Republikaner machten. Zugleich nutzte die Trump-Kampagne aber auch massiv Online-Netzwerke, um Anhänger von Hillary Clinton zu demoralisieren.

Washington. Die Methoden von Donald Trump im Rennen um die US-Präsidentschaft könnten auch dem Wahlkampf in Deutschland ihren Stempel aufdrücken. Seine Kampagne machte sich in beispiellosem Ausmaß Online-Netzwerke zunutze. Es ging nicht nur darum, Trumps Anhänger zu mobilisieren. Neu ist vor allem, wie potenzielle Unterstützer von Rivalin Clinton gezielt mit Desinformationen überflutet wurden.

220 Millionen Profile

Das Wahlkampfmanagement des Republikaners sicherte sich dafür die Dienste der britischen Firma Cambridge Analytica, deren Methoden - aber auch Effizienz - umstritten sind. Die Kampagne stützte sich auf "Project Alamo", eine Datenbank mit Profilen von rund 220 Millionen Amerikanern. Man habe sich drei demografische Gruppen ausgesucht, in denen mit besonderer Unterstützung für Clinton gerechnet wurde: Weiße Liberale, junge Frauen und Afroamerikaner.

Gezielt gefiltert

Werbetreibende können Facebook-Nutzer gezielt nach Geschlecht, Ort, Sprachkenntnissen, Interessen oder bestimmten Bevölkerungsgruppen ansprechen. Trumps Wahlmanager machten damit Stimmung. So wurden dunkelhäutigen Amerikanern gezielt sogenannte "Dark Posts" gezeigt - als Werbung bezahlte Einträge, die nur sie sehen konnten. Darin wurde ein Satz von Hillary Clinton aus den 90ern herausgepickt, in dem sie sagte, einige Jugendliche verhielten sich wie "super predators" - Raubtiere ohne Gewissen oder Mitgefühl. Die damalige First Lady hatte die Äußerung nicht auf eine Hautfarbe bezogen. Den Trump-Leuten spielte aber in die Hände, dass mit dem Begriff seinerzeit meist schwarze Jugendliche bezeichnet wurden.

Frauen wurden auf dem gleichen Wege an angebliche Affären von Bill Clinton erinnert. Und Anhängern von Hillarys demokratischem Konkurrenten Bernie Sanders wurde unter anderem die Unterstützung der Kandidatin für das Freihandelsabkommen TPP vor Augen gehalten, damit sie nicht für sie stimmen. Dabei nahmen die Trump-Leute mit millionenschweren Ausgaben für Facebook-Werbung gezielt die umkämpften Bundesstaaten sowie Gegenden mit vielen Clinton-Unterstützern ins Visier. Zugleich hielten sie die eigenen Anhänger bei Laune.

Die Firma Cambridge Analytica lieferte dabei ihre psychologischen Profile von Facebook-Nutzern. Die Informationen dafür bezieht sie unter anderem aus vermeintlichen Spaß-Umfragen bei Facebook. Die Idee dabei ist, dass man Menschen mit dem Wissen, ob sie schnell nervös werden oder Aufgaben auf die lange Bank schieben, bestimmten psychologischen Profilen zuordnen kann.

Trump bleibt online

Trump will diese Online-Medienstrategie auch nach dem Wahlsieg nicht aufgeben. Er werde nach dem Einzug ins Weiße Haus weiterhin direkt per Twitter kommunizieren, kündigte sein Sprecher an. Damit könnte sich Trump auch künftig kritischen Nachfragen auf Pressekonferenzen entziehen und seine Sicht der Dinge verbreiten.

"Er will die absolute Deutungshoheit für seine Politik", sagt Evan McMullin, einer seiner gescheiterten Gegenkandidaten aus Utah und ehemaliger CIA-Agent. Trumps Politik geht damit in Richtung einer Entmachtung der klassischen Medien als vierte Gewalt.

Wie viel von Trumps Methoden kann von Parteien in Europa für Kampagnen angewendet werden? Die Möglichkeiten zur gezielten Nutzer-Ansprache bei Facebook gibt es hier auch. In Europa gibt es aber auch scharfe Einschränkungen bei der Verwertung von Nutzerdaten. In Deutschland konzentriert sich die Debatte bisher vor allem auf den Einsatz von "Social Bots". CDU und SPD lehnen die Strategie ab. Die AfD hat ihre Absicht bekundet, sie zu nutzen.

Trumps Online-TeamDas Online-Team des künftigen US-Präsidenten war am Ende rund 100 Leute stark und agierte vom kalifornischen San Antonio aus. Durch die Hände von Brad Parscale, dem Architekten der Digital-Strategie, gingen am Ende über 50 Millionen Dollar, fast alles für Werbung bei Online-Netzwerken. Parscale, der vorher als unabhängiger Berater tätig war, hatte dabei auch Zugang zu Trumps Twitter-Account und orchestrierte die Flut der Tweets des Kandidaten mit, die dann neben menschlichen Anhängern auch von einer Armee aus Software-Bots verbreitet wurden. (dpa)
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