27.03.2018 - 15:56 Uhr
Deutschland & Welt

War Kim Jong Un in Peking? Sonderzug mit geheimnisvollem Gast

War Kim Jong Un in Peking? Ein Sonderzug aus Nordkorea - und ein Empfang, den sonst nur Staatsgäste genießen. Konnte Peking von dem Besucher erfahren, unter welchen Bedingungen Nordkorea seine Atomwaffen aufgeben will?

Die Ankunft eines Sonderzuges aus Nordkorea in Peking und ein großer Empfang, den sonst nur Staatsgäste genießen haben für Spekulationen über einen möglichen Besuch des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un gesorgt. Bild: Kyodo News/dpa
von Agentur DPAProfil

Peking. Spekulationen über einen Geheimbesuch von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Peking haben Hoffnungen auf neue Bewegung im Atomkonflikt mit Pjöngjang geweckt. Chinas Außenministerium wollte die Visite "gegenwärtig" nicht bestätigen, unterstrich aber, dass Peking alle Bemühungen für eine Beseitigung der Atomwaffen von der koreanischen Halbinsel unterstütze.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete unter Hinweis auf drei Personen, die über den Besuch Bescheid wüssten, dass es sich bei dem mysteriösen Gast tatsächlich um Kim Jong Un handele. Es wäre das erste Mal seit seinem Amtsantritt 2011, dass Kim Jong Un sein Land verlassen und China besucht hätte. Sein Vater Kim Jong Il hatte 2010 und 2011 ähnliche Geheimbesuche in China gemacht. Er fuhr mit der Bahn, weil er Angst vorm Fliegen hatte. Ob der Sohn auch Flugangst hat oder aus Sicherheitsgründen und der Furcht vor einem Attentat in der Luft lieber mit dem Zug fährt, war unklar. Der Besuch dauerte 24 Stunden. Der dunkelgrüne Sonderzug, der am Montag eingetroffen war, verließ Peking am Dienstagnachmittag wieder. Es gab strenge Sicherheitsmaßnahmen am Bahnhof und um das Staatsgästehaus Diaoyutai. Für seinen Konvoi mit einer Staffel von weißen Motorrädern waren die Straßen abgesperrt worden. Eine Ehrengarde hatte den ihn am Bahnsteig empfangen.

Wenn es sich bei dem Besucher tatsächlich um Kim Jong Il gehandelt hat, wäre es der vorläufige diplomatische Höhepunkt in dem Streit über das Atomwaffen- und Raketenprogramm Nordkoreas. Nach seiner überraschenden Annäherung an Südkorea fasst Nordkoreas Machthaber voraussichtlich im April und Mai Gipfel mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In sowie mit US-Präsident Donald Trump ins Auge.

In der Gipfeldiplomatie stand der große Nachbar China bisher etwas außen vor. Beide Länder pflegen traditionell freundschaftliche Beziehungen, aber das Verhältnis ist wegen der nordkoreanischen Atom- und Raketentests angespannt. Peking setzt die im Weltsicherheitsrat beschlossenen Sanktionen der Vereinten Nationen gegen seinen Nachbarn verstärkt um, was in dem verarmten und isolierten Land zu Engpässen führt. Beobachter spekulierten, dass Nordkoreas Machthaber eine Lockerung der Sanktionen bewirken und sich in China Schützenhilfe für seine diplomatischen Bemühungen holen will. "Er braucht dringend Unterstützung", sagte ein Diplomat. "Besonders wenn der Gipfel mit Trump platzt, dann wächst die Wahrscheinlichkeit, dass es auf eine militärische Lösung zuläuft." Dann brauche Kim Jong Un die Chinesen, um mäßigend auf die USA einzuwirken.

"Vor dem Gipfel mit Trump braucht Kim Jong Un ein Faustpfand", sagte der kritische chinesische Historiker Zhang Lifan. Nordkoreas Machthaber müsse sich mit Chinas Führung treffen, um sein Gewicht in den Verhandlungen mit den USA zu erhöhen. Umgekehrt könne ihn China brauchen. Angesichts eines drohenden Handelskrieges mit den USA könne Peking Nordkorea "als Druckmittel" benutzen.

Ob Kim Jong Un aber wirklich seine Atomwaffen aufgeben will, ist zweifelhaft. "Ohne Atomwaffen ist er nichts", sagte Zhang Lifan. "Wenn er sie aufgeben soll, muss er bekommen, was er will." Wenn er tatsächlich China besucht habe, wäre das ein Hinweis, dass der junge Machthaber Vertrauen zur Führung in Peking gewonnen habe.

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