05.02.2018 - 20:42 Uhr
Deutschland & Welt

Weißhelme berichten von Chlorgas-Attacke - Bombardierungen nehmen zu Helfer: Syrien setzt erneut Giftgas ein

Seit 2011 tobt Syriens Bürgerkrieg. Immer wieder gibt es Berichte über den Einsatz von Chemiewaffen. Diesmal soll die Regierung erneut Chlor verwendet haben. Zugleich nehmen die Bombardierungen zu.

Zwei verletzte Männer in Sarakib. Dort habe die syrische Regierung eine Bombe mit Chlorgas abgeworfen, wie die Rettungsorganisation Weißhelme berichtet. Bild: Omar Haj Kadour/AFP
von Agentur DPAProfil

Damaskus. Rettungshelfer und Aktivisten werfen der syrischen Regierung erneut den Einsatz von Giftgas vor. Die Rettungsorganisation Weißhelme berichtete am Montag, in der von Rebellen kontrollierten Stadt Sarakib im Nordwesten des Bürgerkriegslandes seien mindestens zwölf Menschen verletzt worden, als sie Chlorgas, das mit einer Bombe abgeworfen wurde, eingeatmet hätten. Zugleich kamen Aktivisten zufolge bei einer Serie von Luftangriffen auf Rebellengebiete Dutzende Zivilisten ums Leben. Allein in der von Rebellen gehaltenen Region Ost-Guta östlich der Hauptstadt Damaskus seien mindestens 28 Zivilisten getötet worden, darunter zehn Kinder, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Mehr als 70 Menschen seien verletzt worden.

Ein Krankenhelfer berichtete, die Chlorgas-Opfer seien mit Atemproblemen behandelt worden. Die Bombe sei nicht explodiert, ein Teil des Gases sei jedoch ausgeströmt. Eine unabhängige Bestätigung für die Angaben gab es zunächst nicht. Syrien war nach einem Giftgasangriff 2013 unter starkem internationalem Druck der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) beigetreten und hatte der Vernichtung seiner Chemiewaffen zugestimmt. Bis jetzt ist aber unklar, ob Syrien tatsächlich alle Bestände zerstören ließ. Chlorgas fällt nicht unter das Verbot, da es auch für zivile Zwecke eingesetzt werden kann.

Einheimische Medienaktivisten meldeten am Montag 30 Angriffe auf die Region Ost-Ghuta und machten dafür Regierungsjets verantwortlich. Nach UN-Schätzungen sind in dem von Rebellen gehaltenen Gebiet rund 400 000 Menschen von der Regierung eingeschlossen. Wegen der Blockade mangelt es an Lebensmitteln und medizinischer Versorgung. In der ebenfalls von Rebellen kontrollierten Provinz Idlib im Nordwesten Syriens wurden den Menschenrechtlern zufolge mindestens 16 Zivilisten bei Luftangriffen getötet. In dem Ort Maarat al-Numan trafen die Bomben demnach auch ein Krankenhaus, das seitdem außer Betrieb sei.

In Nordwestsyrien sind bei der türkischen Offensive gegen die kurdische Miliz YPG zwei türkische Soldaten getötet worden. Fünf wurden verletzt, wie die kurdische Nachrichtenseite Rudaw am Sonntag unter Berufung auf das türkische Militär berichtete. Die Soldaten seien bei einem Granatenangriff auf einen Stützpunkt in der türkischen Provinz Hatay an der Grenze zu Syrien umgekommen.

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