05.07.2017 - 21:34 Uhr
Deutschland & Welt

Wohnungsknappheit Es fehlen eine Million Wohnungen

Mieter in Großstädten ächzen unter steigenden Mieten - oder finden erst gar keine Wohnung. Betroffen sind immer mehr Haushalte der Mittelschicht, sagt die Bundesregierung.

von Agentur DPAProfil

Berlin. In Deutschland werden so viele Wohnungen gebaut wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr - aber es sind zu wenige. In dieser Einschätzung waren sich Immobilienwirtschaft und Bundesregierung am Mittwoch einig. Der Bundesverband der deutschen Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) stellte Berechnungen vor, nach denen seit 2009 eine Million Wohnungen zu wenig gebaut wurden.

Nachfrage nicht gedeckt

Im vergangenen Jahr wurden demnach rund 278 000 Wohnungen in Deutschland fertiggestellt, jedoch war nur ein Teil davon Mietwohnungen. Laut Mieterbund wurden 2016 rund 53 000 Mietwohnungen fertiggestellt. Bei den Mitgliedsunternehmen des GdW waren es knapp 20 000 Mietwohnungen, in diesem Jahr sollen es rund 28 000 werden. "Die aktuelle Angebotssteigerung reicht jedoch nicht aus, um die Nachfrage und das in den vergangenen Jahren entstandene Neubaudefizit zu decken", heißt es in einem "Bericht über die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft", den das Kabinett am Mittwoch beschloss.

In immer mehr Städten und Gemeinden komme es daher zu regionalen Wohnungsengpässen, steigenden Mieten und hohen Preisen für Wohneigentum. Der Bericht aus dem Haus von Bauministerin Barbara Hendricks (SPD) hält außerdem fest: "Davon sind immer mehr Haushalte betroffen, zunehmend auch Haushalte mit mittleren Einkommen." Der Mieterbund warnte durch die Entwicklung vor sozialen Problemen. "Die Wohnungsprobleme bergen enormen sozialen Zündstoff", sagte Bundesdirektor Lukas Siebenkotten.

Gründe für den gestiegenen Bedarf an Wohnungen waren laut GdW, dass die deutsche Bevölkerung seit 2009 insbesondere durch Zuwanderung um 2,5 Millionen Menschen wuchs und dass immer mehr Menschen in wenige Ballungsräume zogen. Wer in Berlin, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf, Köln oder München wohnt, gibt teilweise mehr als ein Drittel seines Einkommens für die Warmmiete aus. Hendricks schätzte, dass in den kommenden Jahren jeweils rund 350 000 neue Wohneinheiten entstehen müssten, um den Bedarf zu decken. GdW und Mieterbund sprachen von 400 000.

Überangebot in Oberpfalz?

Während in großen Städten und Ballungsräumen der Wohnraum knapp wird, attestiert das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) der nördlichen Oberpfalz ein Überangebot: Vor allem im Landkreis Neustadt/WN sei mehr gebaut worden als nötig. Landrat Andreas Meier wehrt sich gegen das Fazit der Forscher. (Seite 3)

Die Wohnungsprobleme bergen enormen sozialen Zündstoff.Lukas Siebenkotten, Bundesdirektor des Mieterbundes
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