16.02.2018 - 21:04 Uhr
Deutschland & Welt

Yücel ein Jahr im Gefängnis Hochzeit in Haft

Als Deniz Yücel im Frühjahr 2015 in die Türkei ging, wusste er, dass kritische Berichterstattung dort schwierig sein kann. Womit der "Welt"-Korrespondent nicht rechnen konnte: Dass er im Gefängnis zum Symbol der Krise zwischen Berlin und Ankara werden würde.

Der Gefängniskomplex Silivri in der Nähe von Istanbul. Er hat mehr als 10 000 Haftplätze. Bild: Ministry of Justice/dpa
von Agentur DPAProfil

Istanbul. Als Deniz Yücel am 14. Februar 2017 den Gang zum Istanbuler Polizei-Hauptquartier antrat, hatte er sich seinen unverwüstlichen Optimismus bewahrt. "Wird schon", schrieb er kurz davor, und tatsächlich hatten Freunde und Kollegen zunächst noch Hoffnung: Vielleicht würden sich die bizarren Terrorvorwürfe ja in Luft auflösen. Und würden die türkischen Behörden eine Krise mit Deutschland riskieren, um einen unbequemen Journalisten hinter Gitter zu stecken? Am Ende geschah bekanntlich genau das.

Nach 13 Tagen Polizeigewahrsam wurde Untersuchungshaft verhängt - wegen Terrorvorwürfen, die auf seinen Artikeln basierten. Zu dem Zeitpunkt hatte Yücel, der neben dem deutschen auch den türkischen Pass besitzt, noch keine zwei Jahre in seinem Traumjob gearbeitet. Für die Stelle als Türkei-Korrespondent war er im Frühjahr 2015 von der "tageszeitung" ("taz") in Berlin zur "Welt" gewechselt. Yücel spricht fließend Türkisch, er bereiste das Land wie kaum ein anderer deutscher Korrespondent. Häufig war er in den Kurdengebieten im Südosten des Landes unterwegs. Dass seine kritischen Artikel der Regierung in der Türkei missfallen würden, war früh klar. Einen wie auch immer gearteten Tauschhandel für seine Freilassung wollte er nicht. Stattdessen forderte er von Anfang an einen fairen Prozess, der nach seiner Überzeugung nur mit einem Freispruch enden könne. Er werde "dieses Gefängnis nicht durch eine Hintertür verlassen, wie er in der "Welt" schrieb.

Literatur-Nobelpreisträger und Musiker, Sportler und andere Prominente setzten sich für die Freilassung des Reporters ein. Selbst wenn aus dem rechten politischen Spektrum oder von Deutschtürken auch Kritik laut wurde, so ging durch Deutschland doch eine Welle der Solidarität, die in diesem Ausmaß selten zu beobachten ist. Nicht nur seinen Geburtstag musste Yücel im Gefängnis verbringen, auch zur eigenen Hochzeitsfeier konnte er nicht kommen: Am 12. April 2017 heiratete er im Gefängnis seine Freundin Dilek Mayatürk. Bei der Feier am Abend in Istanbul waren die Braut, Angehörige und Freunde unter sich, während der Bräutigam alleine hinter Gittern saß - und zwar so richtig alleine: Erst nach neun Monaten wurde seine Isolationshaft gelockert.

Dilek Mayatürk-Yücel fuhr immer montags von Istanbul in das rund eineinhalb Stunden entfernte Gefängnis in Silivri. Eine Stunde Besuchszeit, mehr war nicht erlaubt. Für sie war die Haft eine schwere Belastung. Der dpa sagte sie im Juli: "Sie haben den Menschen, der für mich am wertvollsten ist, alleine hinter steinerne Mauern gesperrt. Ich denke, man kann sich vorstellen, wie ich mich fühle." Mayatürk-Yücel hielt sich an der Gewissheit fest, dass die Haft nicht ewig dauern kann. Auf die Frage, was sie und ihr Mann nach dessen Freilassung planten, antwortete sie: "Zuerst ans Meer fahren."

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