30.06.2017 - 21:36 Uhr
Deutschland & Welt

Zahl der Erwerbslosen auf niedrigstem Stand seit Jahrzehnten Sonnige Zeiten am Arbeitsmarkt

Die Zahl der Jobsucher ist sowohl bayern- als auch bundesweit so gering wie seit Jahrzehnten nicht. Doch nicht alle Gruppen profitieren.

von Agentur DPAProfil

Nürnberg. Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern ist auf den niedrigsten Stand seit Beginn der aktuellen Berechnungen vor 20 Jahren gefallen. Im Juni waren etwa 216 500 Männer und Frauen ohne Job, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) am Freitag in Nürnberg mitteilte. Das waren etwa 4500 Erwerbslose weniger als im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Jobsucher um etwa 17 400. Die Arbeitslosenquote betrug wie im Mai 3,0 Prozent. Auch das ist ein Tiefststand seit Berechnung der Quoten. Im Vorjahr lag sie noch bei 3,2 Prozent. "Auch die anderen Indikatoren am Arbeitsmarkt entwickeln sich weiterhin positiv", sagte der Chef der Regionaldirektion, Ralf Holtzwart. Die Zahl der Beschäftigten mit regulärem Job bleibe mit 5,43 Millionen auf Rekordkurs.

Eine Herausforderung sei nach wie vor der Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit, sagte Holtzwart. Die Zahl der Menschen, die bereits länger als ein Jahr ohne Arbeit sind, gehe zwar zurück. Derzeit seien aber immer noch knapp 26 Prozent aller Jobsucher langzeitarbeitslos. Ungelernte sind fünfmal häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als Menschen mit Ausbildung oder Studium. Sie stellen knapp 39 Prozent aller Arbeitslosen. "Je besser jemand qualifiziert ist, desto höher sind seine Chancen auf eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt", sagte Holtzwart.

DGB: An Ältere denken

Der DGB kritisierte, dass auch ältere Menschen nur teilweise von der guten Lage auf dem Jobmarkt profitieren. In Bayern sei der Anteil Arbeitsloser ab 55 Jahren an allen Erwerbslosen mit 22,9 Prozent höher als in allen anderen westdeutschen Bundesländern. Der bayerische DGB-Chef Matthias Jena forderte daher mehr Unterstützung für diese Gruppe: "Weiterbildungsangebote spielen dabei eine zentrale Rolle, damit der Wiedereinstieg in Arbeit nachhaltig gelingen kann." Die Nachfrage nach Arbeitskräften im Freistaat bleibt derweil auf hohem Niveau: Zuletzt waren mehr als 118 000 offene Stellen gemeldet - ein Höchstwert seit Dezember 1999. Vor allem in der Metall-, Elektro- und Stahlindustrie werden viele neue Mitarbeiter gesucht.

Bundesweit ging die Zahl der Arbeitslosen im Juni um 25 000 auf 2,473 Millionen zurück. Das ist der niedrigste Wert in einem Juni seit dem Jahr 1991. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Punkte auf 5,5 Prozent. Saisonbereinigt kam es hingegen zu einem leichten Anstieg bei der Arbeitslosigkeit: Die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl lag im Juni bei 2,547 Millionen. Damit waren etwa 7000 Männer und Frauen mehr ohne Job als noch im Mai. Im Westen stieg die Zahl um 5000, im Osten um 2000. "Dies dürfte auch damit zusammenhängen, dass die begünstigenden Effekte des außergewöhnlich milden Winterwetters am Ende der Frühjahrsbelebung aufgewogen werden", erklärte die Bundesagentur.

44,1 Millionen erwerbstätig

Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes gab es im Mai etwa 44,1 Millionen Erwerbstätige - so viele wie noch nie seit der Wiedervereinigung Deutschlands. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl um 648 000. Laut Berechnungen der BA nahm die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von März auf April saisonbereinigt um 37 000 auf 32 Millionen zu. Das waren 727 000 mehr als ein Jahr zuvor.

Oberpfalz und Niederbayern bei der Quote als Spitzenreiter

Die Arbeitslosenquote ist im Juni in fast allen bayerischen Regierungsbezirken gesunken - sowohl im Vergleich zum Vormonat als auch zum Vorjahr. Die stärksten Rückgänge mit 0,4 Punkten im Vergleich zum Juni 2016 gab es in Niederbayern, Mittel- und Unterfranken. Gegenüber dem Mai 2017 sank die Quote in fast allen Regionen um 0,1 Punkte. Nur in der Oberpfalz blieb sie konstant. Aktuell haben die Oberpfalz und Niederbayern die niedrigste Arbeitslosenquote von jeweils 2,6 Prozent. Mittelfranken bildet den Schluss mit einer Quote von 3,7 Prozent. (Die Quoten beziehen sich auf alle zivilen Erwerbspersonen.)

Oberbayern: 76 535, 2,9 Prozent (Juni 2016: 3,1 Prozent)

Niederbayern: 18 304, 2,6 Prozent (Juni 2016: 3,0 Prozent)

Oberpfalz: 16 113, 2,6 Prozent (Juni 2016: 2,9 Prozent)

Oberfranken: 19 608, 3,3 Prozent (Juni 2016: 3,6 Prozent)

Mittelfranken: 36 541, 3,7 Prozent (Juni 2016: 4,1 Prozent)

Unterfranken: 21 082, 2,8 Prozent (Juni 2016: 3,2 Prozent)

Schwaben: 28 339, 2,7 Prozent (Juni 2016: 3,0 Prozent)

Bayern gesamt: 216 522, 3,0 Prozent (Juni 2016: 3,2 Prozent) (dpa)

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