16.04.2018 - 21:58 Uhr
Deutschland & Welt

Zahlen der Bundesagentur für Arbeit Hartz-IV-Bezieher immer länger ohne Job

Trotz Job-Boom und Rekordtief bei der Arbeitslosigkeit sind Hunderttausende auf Dauer arbeitslos und brauchen Hartz IV. Im Schnitt bleiben die Betroffenen immer länger in dieser misslichen Lage.

Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit ist bei Beziehern der Grundsicherung kontinuierlich angestiegen - von 555 Tagen im Jahr 2011 auf 650 Tage im Jahr 2017. Archivbild: Bernd Wüstneck/dpa
von Agentur DPAProfil

Berlin. Arbeitslose Hartz-IV-Bezieher sind in den vergangenen Jahren im Schnitt immer länger ohne Job geblieben. So stieg die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit bei Beziehern der Grundsicherung kontinuierlich an - von 555 Tagen im Jahr 2011 auf 650 Tage im Jahr 2017. 2016 waren es noch 629 Tage. Auf diese Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) machte die Linke im Bundestag aufmerksam. "Dass die Dauer der Erwerbslosigkeit im Hartz-IV-System steigt, ist ein blamables Ergebnis für die verschiedenen Bundesregierungen und leider logische Konsequenz des arbeitsmarktpolitischen Stillstands", sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann, in Berlin. Seit 2010 seien die Leistungen zur Eingliederung in Arbeit drastisch gekürzt worden. Ein BA-Sprecher erläuterte, die steigende Dauer der Arbeitslosigkeit bei Beziehern der Grundsicherung zeige, dass der Anteil der Menschen mit kurzer Arbeitslosigkeit zunehmend kleiner werde.

Länger als drei Jahre arbeitslos waren im Jahr 2011 rund 298 000 Hartz-IV-Bezieher. Bis 2017 stieg diese Zahl auf rund 317 000 Menschen. "Man könnte von einer Verhärtung der Langzeitarbeitslosigkeit sprechen", sagte der BA-Sprecher. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen mit einer Dauer von weniger als zwei Jahren sank im selben Zeitraum allerdings um fast 100 000. Sie gelten als etwas marktnäher, haben also größere Chancen auf dem boomendem Jobmarkt.

Die Zahl aller Langzeitarbeitslosen in Deutschland sank seither um 114 000 auf 809 000 Menschen im Jahresdurchschnitt 2017. Als Langzeitarbeitslose gelten offiziell alle, die länger als ein Jahr ohne Job sind. Es gibt rund sechs Millionen Hartz-IV-Bezieher, viele haben noch einen Minijob. Derzeit liegt der Regelsatz für einen Alleinstehenden bei 416 Euro im Monat. Für eine sogenannte Bedarfsgemeinschaft machen die Leistungen der Grundsicherung im Schnitt 954 Euro aus.

Die BA wies darauf hin, dass auch Menschen mit langer Arbeitslosigkeit immer wieder einen Job finden. So stieg die durchschnittliche Dauer vorheriger Arbeitslosigkeit bei jenen, die einen Job fanden, bis 2017 leicht auf 397 Tage. Dies zeige, "dass es auch Menschen mit längerer Dauer gelingt, die Arbeitslosigkeit zu beenden", sagte der Sprecher. Die Regierungskoalition hat Vollbeschäftigung zum Ziel erklärt. Sie will also auch Menschen, die lange arbeitslos waren, neue Perspektiven geben. So soll ein sozialer Arbeitsmarkt geschaffen werden. 150 000 Langzeitarbeitslose sollen mit Lohnkostenzuschüssen einen Job in Unternehmen, gemeinnützigen Einrichtungen oder Kommunen bekommen.

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