13.02.2018 - 22:24 Uhr
Deutschland & Welt

Zahlen von Eurostat Fast jeder dritte Alleinstehende in Deutschland ist von Armut bedroht

Berlin. Nach den jüngsten Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat waren im Jahr 2016 32,9 Prozent der Alleinstehenden von Armut bedroht. Zehn Jahre zuvor waren nur 21,5 Prozent aller Alleinstehenden armutsgefährdet.

von Agentur DPAProfil

In den vergangenen Wochen waren soziale und gesundheitliche Folgen von Einsamkeit verstärkt in den Fokus gerückt, nachdem in Großbritannien ein Regierungsposten gegen Einsamkeit eingerichtet worden war. Auf die aktuellen Eurostat-Zahlen machte die Linke im Bundestag aufmerksam. Der Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, sagte in Berlin, die Betroffenen hätten es sich häufig nicht selbst ausgesucht, alleinstehend zu sein. "Das verpflichtet die Gemeinschaft, diesen Menschen strukturell zu helfen."

Der Anteil der von Armut bedrohten Alleinstehenden nahm laut Eurostat bereits 2007 auf 27,3 Prozent zu und liegt seit 2011 bei über 30 Prozent. Experten gehen davon aus, dass insbesondere Ältere mit kleinen Renten oder Grundsicherung betroffen sind, Jüngere auf dem Weg von einer Ausbildung ins Berufsleben und Niedrigverdiener. Als von Armut bedroht gilt, wer bei unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt, 2016 betrug dies 1063,75 Euro pro Monat. Alleinstehende mit einer Beschäftigung waren zu 17 Prozent armutsgefährdet. Zehn Jahre zuvor waren es nur 10,1 Prozent.

Auch die Gesamtzahl der Alleinstehenden ist in den vergangenen Jahren in Deutschland mit leichten Schwankungen angestiegen und überschritt 2015 die Marke von 16 Millionen. 2016 waren es 16,43 Millionen alleinstehende Erwachsene ohne Kinder. In 40,8 Prozent der deutschen Haushalten leben Alleinstehende. EU-weit sind nur 32,5 Prozent der privaten Haushalte Alleinstehenden-Haushalte. Der Anteil der Armutsgefährdung liegt niedriger, nämlich bei 25,6 Prozent.

Die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann, die die Zahlen ausgewertet hat, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Armut breitet sich zunehmend in Deutschland aus. Sie ist da und kann sich nicht verstecken." Diakonie-Präsident Lilie machte darüber hinaus darauf aufmerksam, dass viele alleinerziehende Frauen Probleme hätten, mit ihrem Einkommen zurechtzukommen. Wer zum Beispiel Unterhaltsansprüche nicht durchsetzen könne und kein Netz von Verwandten habe, gerate rasch in eine Abwärtsspirale. Kommentar

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