Zypernverhandlung gescheitert
Türkei beharrt auf Truppenstationierung

UN-Generalsekretär António Guterres. Bild: Salvatore Di Nolfi/dpa

Nikosia. UN-Generalsekretär António Guterres hat enttäuscht auf das Scheitern der Bemühungen für eine Lösung des Zypern-Konfliktes reagiert. "Es tut mir leid bekanntgeben zu müssen, dass trotz der Bemühungen die Konferenz ohne Einigung zu Ende gegangen ist", sagte er am Freitagmorgen. Hauptgrund für das Scheitern ist nach übereinstimmenden Aussagen von Diplomaten der griechischen und türkischen Zyprer die Frage des Abzugs der rund 35 000 türkischen Besatzungssoldaten aus dem türkisch-zyprischen Norden der seit 1974 geteilten Insel.

Die Türkei signalisierte Bereitschaft, einen großen Teil ihrer Truppen abzuziehen. Ein türkisches Kontingent solle jedoch für mindestens 15 Jahre zur Sicherheit der türkischen Zyprer auf der Insel bleiben. Danach könne man über einen weiteren Abzug verhandeln. Zudem will die Türkei Garantiemacht für Zypern bleiben. Griechenland und die griechischen Zyprer bestanden hingegen darauf, dass Zypern ein "normaler Staat" werden müsse. Garantiemächte und Besatzungstruppen hätten in einem EU-Land wie der Republik Zypern nichts zu suchen. Deswegen sollten alle Truppen nach einer kurzen Übergangszeit abgezogen werden. Stattdessen soll nach dem Willen von Athen und Nikosia eine internationale Polizeieinheit nach einer Verhandlungslösung für einen friedlichen Übergang sorgen.

Beide Seiten hatten seit Monaten in zahllosen Runden versucht, die Teilung der Mittelmeerinsel am Verhandlungstisch zu überwinden. Zuletzt hatte es im schweizerischen Crans Montana zehn Tage lange zähe Verhandlungen zwischen griechischen und türkischen Zyprern gegeben. Die finale Runde begann danach am Donnerstagvormittag und ging erst am Freitagmorgen um drei Uhr früh zu Ende - ohne Einigung. Guterres zeigte sich in Crans Montana sichtlich enttäuscht und besorgt. "Ich wünsche (nun) das Beste für die Zyprer im Norden und Süden."

Die Insel ist nach einem Putsch griechischer Militärs und einer türkischen Invasion seit 1974 geteilt. Ziel der Verhandlungen ist die Bildung einer Föderation zwischen zwei politisch gleichberechtigten Bundesländern - einem griechisch-zyprischen im Süden und einem türkisch-zyprischen im Norden.
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