21.10.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Bundeswehr zieht nach zehn Jahren aus der Provinz in Nordafghanistan ab - Soldaten wohlbehalten ...: Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" verlässt Kundus

Der letzte Konvoi der Bundeswehr aus Kundus fährt auf dem Weg nach Masar-i-Sharif durch den Norden Afghanistans. Der Verband wird von Soldaten der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" gestellt. Bild: Bundeswehr
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Von Alexander Pausch

Zum zweiten Mal in der Geschichte des Verbandes hat die Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" aus Amberg einen historischen Einsatz erfolgreich abgeschlossen. Die Männer und Frauen der Brigade räumten das deutsche Feldlager Kundus im Norden Afghanistans. Gut 48 Stunden dauerte die Operation. Am Samstagvormittag kamen die letzten der rund 800 Soldaten wohlbehalten im Feldlager in Masar-i-Scharif an.

Nach zehn Jahren endete damit der Einsatz der Bundeswehr in der Krisenprovinz. Am 25. Oktober 2003 hatten die Deutschen das Wiederaufbauteam von den Amerikanern übernommen. Der Abzug ist nun ein wesentlicher Schritt zum deutschen Rückzug vom Hindukusch. Ende des nächsten Jahres endet der Kampfeinsatz der Nato in Afghanistan. Danach soll es nur noch eine zahlenmäßig deutlich kleinere Ausbildungsmission geben. Derzeit sind außer in Masar-i-Scharif deutsche Soldaten auch in der afghanischen Hauptstadt Kabul eingesetzt. Sie beraten unter anderem Ausbildungseinrichtungen der afghanischen Armee.
"Ein guter Plan ist das eine, aber sie brauchen Fortune. Und wir haben Fortune gehabt", sagte Oberst Jochen Schneider, Kommandeur des letzten deutschen Kontingents in Kundus nach Ankunft seiner Soldaten im Feldlager in Masar-i-Scharif. Er sei zufrieden und stolz. Der Oberst freute sich sichtlich, dass alle Soldaten wohlbehalten nach Masar-i-Scharif gekommen sind. Schneider, der in Oberviechtach (Kreis Schwandorf) wohnt, ist stellvertretender Kommandeur der Panzerbrigade 12. Während des Einsatzes kommandiert er die "Partnering und Advising Team" Kundus (PATF KDZ). Der Einsatzverband wird von Soldaten des Panzerbataillons 104 aus Pfreimd (Kreis Schwandorf) und des Panzergrenadierbataillons 112 aus Regen gestellt.

In der Nacht zum Samstag war zum letzten Mal die deutsche Fahne in Kundus eingeholt worden. Anschließend machte sich der letzte Konvoi auf die 300 Kilometer lange Fahrt nach Masar-i-Scharif - diese führte nicht auf direktem Weg nach Masar-i-Scharif, sondern durch die Provinz Baghlan. Diese Straße ist besser ausgebaut und daher besser geeignet für die großen Konvois.

Lage verschlechtert

Bereits vor zwei Wochen war das Feldlager Kundus von Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) und Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) offiziell an die Afghanen übergeben worden. Wenige Tage danach verließen die letzten deutschen Kräfte auch das Distrikt Hauptquartier in Chahar Darah, etwa zehn Kilometer westlich des Feldlagers in Kundus. Dort hatten die Deutschen zusammen mit den afghanischen Sicherheitskräften ihre Einsätze koordiniert. Damit wurde die Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen abgeschlossen.

Char Darah steht wie kein anderer Distrikt für blutige Gefechte. Zuletzt war die Sicherheitslage in der gesamten Provinz Kundus, aber auch in der Nachbarprovinz durch die die deutschen Konvois nach Masar-i-Scharif rollten, deutlich schlechter geworden. Aufständische griffen nicht nur mehrfach die afghanische Polizei und afghanische Armee an, sondern auch deutsche Patrouillen, die den deutschen Abzug absichern sollten.

Weihnachten zu Hause

Kurz vor Ende erschütterten zudem Übergriffe der afghanischen Sicherheitskräfte das Vertrauen in die Partner. So berichtet ZDF-Korrespondent Uli Gack, die Afghanen hätten einen für die Deutschen bestimmten Lastwagen mit Treibstoff beschlagnahmt.

Im Jahr 1999 waren die Panzerbrigade 12 als erster deutscher Heeresverband im Kosovo stationiert worden. In Kundus bildeten sie diesmal die Nachhut. Nach Abgabe des Materials wird sich schon bald ein Großteil der Soldaten auf den Weg in die Standorte in der Oberpfalz und Niederbayern machen, rechtzeitig, um mit den Lieben zu Hause Weihnachten zu feiern.

 

 

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