13.03.2014 - 00:00 Uhr

Die Jesuitenmission in Nürnberg - Ringen um Gerechtigkeit als Glaubenszeugnis Weltweites Netz der Solidarität

Pater Klaus Väthröder SJ zeigt eine der 250 Solarlampen, die die Jesuiten im Dezember 2013 auf der philippinischen Insel Culion verteilten.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Am großen Tisch sitzt Pater Jörg Alt SJ zusammen mit vier Frauen und bündelt des Magazin "Weltweit" der Jesuitenmission für den Versand an katholische Pfarreien. In den Regalen findet sich Kunsthandwerk aus allen Erdteilen. Hier, im Haus hinter der St.-Klara-Kirche in Nürnberg, zeigt sich das, was die deutschen Jesuiten unter solidarischer Kirche verstehen.

Das Solidarwerk praktiziert seit Jahrzehnten die Hinwendung zu den Armen, die seit der Wahl von Papst Franziskus in den Debatten der katholischen Kirchen wieder mehr in den Vordergrund getreten ist. Längst verstehen die Jesuiten Mission nicht mehr als reine Glaubenverkündigung. "Das ist vorbei", sagt Pater Klaus Väthröder SJ, Geschäftsführer der Jesuitenmission. Mission habe das "ganzheitlich Heil im Blick". Es geht um Gerechtigkeit und sozialen Einsatz - auch dadurch werde ein Zeugnis für den Glauben gegeben. Wenn wir uns engagieren, erläutert Alt, der stellvertretende Leiter, wisse jeder für welche Werte die Jesuiten einstünden.

Rund zwölf Millionen Euro beträgt das Spendenaufkommen jährlich, sagt Väthröder und fügt hinzu. "Viele Spender kommen aus der Oberpfalz." Gut 80 Prozent der Zuwendungen seien zweckgebunden, etwa für das Loyola-Gymnasium in Prizren im Kosovo oder eines der vielen anderen Projekte in Lateinamerika, Afrika und Asien. Unterstützt werden Hilfsprojekte der Jesuiten oder die Arbeit von Projektpartnern.

Hilfe für Opfer in Syrien

Zudem leistet die Jesuitenmission Katastrophenhilfe, wie etwa nach dem Taifun, der die Philippinen verwüstete, oder hilft Opfern des Bürgerkriegs in Syrien. Mehr als eine Million Euro hat die Jesuitenmission bereits dafür aufgewandt. Wir sind flexibler als große Organisationen, erläutert Pater Väthröder. Durch die Jesuitenorganisationen gebe es vertrauenswürdige Partner in den betroffenen Ländern - so wie in Syrien, wo zehn Jesuiten arbeiten.

Neben Väthröder, der am Sonntag seinen 54. Geburtstag begeht, und Alt helfen zeitweise zwei weitere Jesuiten in der Zentrale in Nürnberg mit. Zudem gibt es 14 Laien-Mitarbeiter, die sich zehn Vollzeitstellen teilen, sowie eine Reihe freiwilliger Helfer, wie die Frauen, die die Hefte versandfertig machen, und die für ein "Vergelt's Gott" arbeiten.

Den Jesuiten geht es auch um den Bückenschlag - darum, dass Menschen hierzulande ein Verständnis entwickeln für die Nöte der Armen. Dazu soll das Magazin beitragen, aber auch Vorträge oder persönliche Gespräche. "Wenn jemand hier anruft, spreche ich natürlich mit ihm", sagt Väthröder, der, ehe er nach Nürnberg kam, das Sozialzentrums Centro Gumilla der Jesuiten in Venezuela (2000-2007) leitete und als Seelsorger in den Armenvierteln von Caracas arbeitete. Zudem besucht er viele Projektpartner. Zum Brückenschlag tragen auch die "Jesuit Volunteers", die Freiwilligen, bei. Rund 30 meist junge Menschen werden für ein Jahr zu Partnern entstand.

Neben der Hilfe wollen die Jesuiten auch die gesellschaftlichen Bedingungen verändern. Alt initiierte und koordinierte die Kampagne "Steuer gegen Armut: Finanztransaktionssteuer". Eine Steuer, die nun in einigen europäischen Ländern eingeführt wird. "Dies zeigt, dass man doch etwas bewegen kann", sagt der 53-Jährige der sich einem weiteren Projekt zugewandt hat: dem Thema "Steuergerechtigkeit und Armut".

Kapitalflucht im Blick

Alt, der 19 Jahre im Jesuiten-Flüchtlingsdienst mit Asylsuchenden und "illegalen" Migranten gearbeitet hatte, bevor er nach Nürnberg umzog, untersucht seit Sommer 2013 mit zwei von den Jesuiten getragenen Sozialforschungsinstituten in Kenia und Sambia, wie Steuer- und Kapitalflucht, Steueroasen und Ähnliches die Entwicklungschancen in Afrika beeinträchtigen. Am Ende soll eine Kampagne stehen, die Veränderungen anstößt: in Europa und in Afrika.

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