04.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Nonne und Ärztin: Seit über einem halben Jahrhundert kämpft Ruth Pfau in Pakistan gegen Lepra "Engel von Karachi" wird 85

Eigentlich war Karachi für Ruth Pfau nur eine Durchgangsstation, wo die junge Ärztin und Nonne auf ihr Visum für Indien warten sollte. Doch dann stand sie 1960 dem Elend der Lepra-Kranken in der pakistanischen Hafenstadt gegenüber. "Man wurde nicht behandelt, man endete schließlich verkrüppelt, verstümmelt, entstellt auf den Straßen einer unbarmherzigen Großstadt als Bettler und in diesem unvorstellbaren Ghetto", sagt sie in einem ihrer Bücher.

Aus einem kurzen Stopp wegen Visum-Problemen wurden 54 Jahre, in denen Ruth Pfau (links) mit ihrer Arbeit das Leid Hunderttausender Menschen in Karachi (Pakistan) linderte. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Die Medizinerin blieb - und sie wurde zu einer Vorreiterin im Kampf gegen die Infektionskrankheit. Sie gilt als "Engel von Karachi" und "Mutter Teresa von Pakistan", die Regierung des muslimischen Landes ernannte die Nonne 1979 zur Beraterin im Rang einer Staatssekretärin. Noch heute kümmert sie sich um Patienten, kämpft gegen Lepra, Tuberkulose und Blindheit. Kommende Woche wird Ruth Pfau 85 Jahre alt.

Unendliches Leid gelindert

"Sie ist meine Heldin in der Wirklichkeit, es gibt kaum eine größere", würdigte Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck die Frau mit der abenteuerlichen Biografie. "Sie hat Hunderttausenden Menschen schweres Leid und vielen Menschen den Tod erspart", sagt Burkard Kömm, Geschäftsführer der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe DAHW. Die Organisation mit Sitz in Würzburg unterstützte Pfaus Arbeit fast von Anfang an finanziell.

Ruth Pfau wurde 1929 in Leipzig geboren. Während ihres Medizinstudiums fand sie zum Glauben und trat schließlich den "Töchtern vom Herzen Mariä" bei. "Wenn ich nicht Ordensfrau gewesen wäre, wäre es schwieriger gewesen, mit dieser ganzen Frustration umzugehen", sagt sie der dpa am Telefon. "Deshalb bin ich noch am Leben." Die Lepra-Kranken waren damals in Pakistan Ausgestoßene, um die sich niemand kümmerte, die in der offiziellen Statistik gar nicht existierten.

In einer Bretterbude im Slum behandelte die junge Ärztin ihre Patienten. Mit finanzieller Hilfe aus Europa baute sie ein Lepra-Krankenhaus, das zur Keimzelle des nationalen Lepra-Programms wurde. Seit 1996 ist die Infektionskrankheit in Pakistan unter Kontrolle. An Anerkennung für die Arbeit mangelt es nicht: Pakistan verlieh Pfau die Ehrenbürgerschaft.

Natürlichkeit beeindruckt

In Deutschland erhielt sie unter anderem das Bundesverdienstkreuz und den Fernsehpreis Bambi. Erst vor wenigen Monaten war sie wieder zu Besuch, berichtete beispielsweise beim Philosophie-Festival "Phil.Cologne" von der Freude am Helfen. "In Einfachheit, Natürlichkeit fordert sie die Leute auf, nicht wegzusehen", betont Burkard Kömm. Das sei wirklich "beeindruckend".

"Ich habe das gemacht, was nötig war", sagt die Frau mit dem schlohweißen Haar nüchtern. Ihr Lebenswerk sieht Pfau bei ihrem Team vor Ort in guten Händen, wenn sie irgendwann nicht mehr selbst mitarbeiten könne. Was sie sich zu ihrem 85. wünscht? "So viele Patienten ich habe, so viele Wünsche habe ich."

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