18.09.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Oberpfälzer unterstützen als Mentoren afghanische Bataillone - Deutscher Abzug im Herbst rückt ...: Pfreimder Soldaten als Berater in Kundus

Ein Schützenpanzer vom Typ "Marder" hat am Straßenrand in einem Dorf im Distrikt Char Darah in der afghanischen Provinz Kundus gestoppt. Die deutschen Soldaten kontrollieren den Verkehr, ehe sie ihre Fahrt fortsetzen. Bild: paa
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Zwei Dutzend Soldaten des Panzerbataillons 104 aus Pfreimd (Kreis Schwandorf) bildeten das letzte deutsche mobile Ausbildungs- und Beratungsteam in der nordafghanischen Provinz Kundus. In den vergangenen Monaten waren die Männer aus der Oberpfalz an der Seite der afghanischen Armee (ANA) in der Provinz unterwegs. Ihre Aufgabe war es, ANA-Bataillone auf die Zeit nach dem Abzug der Bundeswehr vorzubereiten. Nach zehn Jahren in Kundus verlassen die Deutschen in wenigen Wochen Stadt und Provinz. Sie übergeben das Feldlager.

Für Major Ulrich H., der das Beraterteam führt, ist dies der dritte Einsatz am Hindukusch. Zuvor war er im Jahr 2008 in Kabul und im Jahr 2011 in Faizabad. Aus seiner Sicht hat sich die afghanische Armee gut entwickelt. Der 42 Jahre alte stellvertretende Kommandeur des Panzerbataillons 104, der in Luhe (Kreis Neustadt/WN) wohnt, spricht davon, dass die Afghanen "deutlich selbstständiger" geworden sind, "mehr Initiative zeigen" und die "Professionalität" gesteigert hätten.

Herbstoffensive

Das mussten die Afghanen in den zurückliegenden Wochen mehr als einmal beweisen. Je näher der deutsche Abzugstermin im Herbst rückt, um so mehr geraten die einheimischen Sicherheitskräfte, Polizei und Armee ins Feuer der Aufständischen. Eine Frühjahrsoffensive gab es nicht, heißt es in Bundeswehrkreisen unter Verweis auf die Zwischenfälle. Nun sieht es so aus, als gebe es eine Herbstoffensive. Mit dieser müssen die Afghanen allein fertig werden, wobei die Armee in zweiter Reihe steht. An vorderster Front kämpfen die Polizei und die Dorf-Milizen.

Die afghanischen Soldaten "kämpfen auch um ihre Existenz", sagt Ulrich H. und für diesen Kampf sieht er die Afghanen gut gerüstet, so wie viele andere Deutsche. Ob sich die Sicherheitskräfte gegen die Aufständischen letztlich durchsetzen können, vermag aber keiner zu sagen.

Die Kommunikation mit den afghanischen Offizieren und Unteroffizieren beschreibt Major Ulrich H. als unkompliziert. Diese hätte sehr viel deutsche Direktheit übernommen. "Das hat uns sehr überrascht." Vorbei seien auch die Zeiten, in denen die Afghanen die Deutschen mit langen Wunschlisten konfrontierten. Selbst die Frage nach Treibstofflieferungen werde nicht mehr gestellt.
Die Vorbereitung und Ausbildung für den Einsatz in Kundus absolvierte das Pfreimder Beraterteam gleich in ihrer Nachbarschaft, im Gefechtsübungszentrum der US-Armee in Hohenfels (JMRC). Dort erfolgt seit Jahren im NATO-Auftrag die Ausbildung der "Operational Mentor and Liaison Teams" (OMLT), wie die Beraterteams im Militärjargon heißen. "Das hatte den Vorteil, dass wir unsere eigenen Fahrzeuge mitnehmen konnten", sagt Major Ulrich H..

In diesen Wochen neigt sich der Einsatz der Bundeswehr in Kundus dem Ende zu. Nach und nach werden Aufgaben an die afghanischen Seite übergeben, um den Abzug der Deutschen aus der Provinz im Norden vorzubereiten. Der Partnering- und Beraterauftrag für die deutschen Soldaten endete am Wochenende.

Das Panzerbataillon 104 stellt nicht nur Soldaten für das mobile Beraterteam, sondern zusammen mit dem Panzergrenadierbataillon 112 aus Regen auch die Kräfte für die deutsche Schutzkompanie. Das rund 600 Soldaten umfassende "Partnering und Advising Team" Kundus (PATF KDZ), wie der Verband in Nato-Englisch heißt, wird vom stellvertretenden Kommandeur der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" aus Amberg, Oberst Jochen Schneider, geführt.

Übergabe des Feldlagers

Dieser Verband verlässt nach der Übergabe des deutschen Feldlagers in Kundus an die Afghanen als letzte den Ort, an dem die Deutschen im Jahr 2003 von den Amerikanern die Leitung des "Provincial Reconstruction Team" (Wiederaufbauteam) übernommen hatten.

___

* Der Name wurde auf Wunsch der Bundeswehr und zum Schutz des Soldaten gekürzt.

___

Weitere Berichte zum Einsatz der Oberpfälzer:

http://www.oberpfalznetz.de/afghanistan

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.