15.03.2004 - 00:00 Uhr
Sport

3:3 gegen Rostock: Kuffour und Kovac vermasseln letzte Chance: Bayern wie im Kindergarten

Karlheinz Rummenigge bringt kaum etwas aus der Fassung. Leicht sauer wird er vielleicht einmal, wenn es um Fernsehgelder oder Dispute mit der UEFA geht. Aber sonst? Der Ton ist immer leise, moderat. Wenn einer wie der Bayern-Vorstandschef mal laut faucht, muss sein seelisches Gleichgewicht schon arg gestört sein: "Es ist ein Wahnsinn, was wir für Tore kriegen. Kindergarten-Tore sind das."

von Josef Maier Kontakt Profil

Schnell erkannte Rummenigge, dass bei ihm alle Dämme brechen könnten - und flugs zog er von dannen. Das 3:3 (2:0) gegen Hansa Rostock hatte nicht nur ihn schwer getroffen. Namen nahm auch er nicht in den Mund, doch dieses Remis - eigentlich eine Niederlage - hatten sich vor 41 000 Zuschauern in erster Linie nur zwei Männer zuzuschreiben. "Wir gewinnen gemeinsam und verlieren gemeinsam."

Der gute Bastian Schweinsteiger hat zwar mit seinen 19 Jahren schon die Gesetzmäßigkeiten des Profitums verinnerlicht, doch Sammy Kuffour und Robert Kovac, quasi die K. und K.-Dynastie in Bayerns Abwehr, vermasselten alleine die wohl allerletzte Chance auf die Meisterschaft.

"Wir haben viele, viele Probleme", nannte auch Oliver Kahn die Dinge nicht beim Namen. Der Nationalkeeper, der gerne auch schon einmal Mitspieler durchschüttelt, wenn sie nicht hundertprozentig ihrem Job nachgehen, hatte am Samstag frustriert kapituliert. Mit dem Schütteln wäre er gar nicht fertig geworden. Eins (Martin Max/53.), zwei (Magnus Arvidsson/ 65.), drei (Thomas Rasmussen/72.) - binnen nicht einmal 20 Minuten hatten die Rostocker einen 0:2-Rückstand in ein 3:2 verwandelt. Mit tatkräftiger Hilfe von Kuffour und Kovac. Roy Makaay war entsetzt: "Ein Verein wie Bayern München darf keine so einfachen Tore kassieren."

Doch K. und K. machen's möglich. Sammy Kuffour, bei den Bayern groß geworden, hat nie seine Unsicherheit abgelegt. Wirkt oft wie "ein Nervenbündel". Zudem hatte er am Samstag Pech, dass ein regulärer Treffer (55.) von ihm nicht anerkannt wurde. Robert Kovac galt als einer der stärksten Innenverteidiger Europas, als er 2001 zu den Münchnern wechselte. In Leverkusen hatte der Kroate eine grandiose Saison gespielt. Drei Jahre später ist beim 29-Jährigen nichts von einer Weiterentwicklung zu sehen. Im Gegenteil: Er steckt im Mittelmaß. Langsam, unkonzentriert, spielerisch zu schwach - oft die Folge: Blinde Schläge ins Seitenaus.

Nur Offensive tauglich

Ihre Investitionen in die Offensive mit Roy Makaay rentieren sich für die Bayern bestens, in der Defensive müssen sie schnellstens tätig werden. Denn der Holländer kann vorne gar nicht so viele Tore schießen, wie sie hinten kassieren. Den ersten Treffer durch Jens Jeremies (3.) bereitete der Stürmer vor, den zweiten machte er selbst (9.). "Es hat doch alles so gut angefangen", wunderte er sich nachher. Zum Schluss rettete er mit seinem verwandelten Foulelfmeter - bereits sein 17. Saisontreffer - noch das magere Pünktchen.

Alle Bayern mussten sich die Frage gefallen lassen, was denn Ottmar Hitzfeld nach dem beruhigenden 2:0 zur Pause gesagt hätte. "Wir sollen so schnell wir möglich das 3:0 machen", gab Makaay des Trainers Anweisung wieder. "Und hinten sollen wir versuchen, keine Fehler zu machen." Bei diesem Satz hatte der Holländer ein höhnisches Lächeln im Gesicht.

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