Abgang ohne Medaille
Biathlon-Debakel für deutsche Frauen

Genau wie in Sotschi sind die deutschen Biathletinnen in Pyeongchang im Staffelrennen ohne Medaille geblieben. Am Donnerstag reicht es für das Quartett um Laura Dahlmeier nur zu Rang acht.

Pyeongchang. Laura Dahlmeier war nach dem olympischen Staffel-Debakel überhaupt nicht mehr nach Feiern zumute. "Vor dem Rennen habe ich gedacht, dass man gemeinsam ins Deutsche Haus geht. Aber weniger zum Frust-Saufen, sondern eher um anzustoßen", sagte die Doppel-Olympiasiegerin. Der völlig enttäuschende achte Platz mit der favorisierten Damen-Staffel hatte der siebenmaligen Weltmeisterin die Laune verdorben. Die weitere Abendgestaltung wollte die 24-Jährige auf sich zukommen lassen.

Die tollen Winterspiele der Ausnahme-Biathletin mit zweimal Gold und einmal Bronze wurden durch die neuerliche Staffel-Pleite überschattet. "Der Moment ist nicht der optimale, um ein gutes Resümee zu ziehen", sagte sie. In einem turbulenten Rennen hatten sich Franziska Preuß, Ex-Langläuferin Denise Herrmann und Franziska Hildebrand je eine Strafrunde geleistet - die Medaille war weg, ehe Schlussläuferin Dahlmeier überhaupt losgelaufen war.

Beim Überraschungstriumph der weißrussischen Staffel um Darja Domratschewa vor Schweden und Frankreich lieferte Dahlmeier als einzige Deutsche eine ordentliche Leistung ab. "Natürlich müssen wir füreinander da sein, aber es müssen schon die individuellen Schwerpunkte rausgearbeitet werden", sagte die Garmisch-Partenkirchnerin. Deutschland hatte nach drei Strafrunden und elf Nachladern 53,9 Sekunden Rückstand.

Damen-Bundestrainer Gerald Hönig klagte nach dem Desaster des Weltmeister-Quartetts: "Da hilft uns die ganze Serie nicht, dass wir achtmal auf dem Podium waren und sieben Rennen gewonnen haben." Der 59-Jährige schaltete in den Verteidigungsmodus: "Die Staffel würde ich so wieder aufstellen." Auf Maren Hammerschmidt etwa, beim WM-Triumph vor einem Jahr in Hochfilzen noch im Team, hatte er verzichtet. Auch die dreimalige Staffel-Weltmeisterin Vanessa Hinz fehlte.

Gefeiert wurde dagegen bei der Konkurrenz. Biathlon-Idol Ole Einar Björndalen nahm seine Ehefrau Darja Domratschewa überschwänglich in die Arme. Nach dem Sieg mit Weißrussland ist sie mit vier Goldmedaillen erfolgreichste Skijägerin der Olympia-Geschichte. Schwedens Trainer Wolfgang Pichler aus Ruhpolding freute sich mit König Carl Gustaf über Silber für sein Team.

Damit bleibt die Bilanz der deutschen Skijäger in zehn Olympia-Rennen in Südkorea bei sechs Medaillen. Das sind immer noch vier mehr als vor vier Jahren in Russland, als die Damen-Staffel auf Platz elf gelaufen war. Edelmetall für das Frauen-Quartett war diesmal allerdings fest eingeplant. Eine Chance bietet sich heute noch zum Abschluss mit der Herren-Staffel.

Bei den Damen nahm das Drama gleich beim ersten Schießen seinen Lauf, Preuß hatte Probleme. Sie habe gedacht, dass ihr vierter Schuss daneben gegangen sei, deshalb habe sie nochmal nachgeladen. Die Patrone war sie jedoch "direkt auf der Matte" wieder losgeworden und hatte so eine Disqualifikation verhindert.

Der Moment ist nicht der optimale, um ein gutes Resümee zu ziehen.Laura Dahlmeier
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