15.02.2018 - 18:09 Uhr
Deutschland & Welt

Auf den Tribünen in Pyeongchang ist wenig los Prestige und Quote

Freitag. Das bedeutet für die meisten von uns nicht nur Wochenende. Es bedeutet auch, dass die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang schon seit einer Woche vorbei ist. Zeit für eine kleine Zwischenbilanz.

Halbleere Tribüne in Pyeongchang Bild: Peter Kneffel/dpa
von Florian Bindl Kontakt Profil

Schauen wir auf die Statistik, die am meisten über Erfolg oder Misserfolg der deutschen Starter verrät, den Medaillenspiegel. Und tatsächlich: Noch immer thronen unsere Wintersportler auf dem ersten Platz. Einen echten Goldrausch durften Laura Dahlmeier, Eric Frenzel und Co. erleben. Die Biathletin, die sich schon in einem Poesiealbum nichts sehnlicher wünschte als eine olympische Goldmedaille, hat schon derer zwei ergattert. Besonders überrascht hat mich Arnd Peiffers erster Platz im Sprint der Herren. Als er die großen Favoriten Martin Fourcade und Johannes Thingnes Bø düpierte, hielt die Sportwelt den Atem an.

Wie lange Deutschland den Medaillenspiegel anführen kann, ist fraglich. Durch den starken Wind konnten einige alpine Disziplinen noch nicht stattfinden. Hier dürften gerade die US-Amerikanerinnen Mikaela Shiffrin und Lindsey Vonn auftrumpfen. So weit vom Sportlichen.

Was mir negativ auffällt, sind die teilweise arg verwaisten Tribünen in Pyeongchang. Sogar bei quotenträchtigen Fernsehereignissen wie Skispringen und Biathlon, herrscht auf den Rängen gähnende Leere. Darüber muss sich das IOC aber auch nicht wundern. Wer um der weltweiten Einschaltquote willen die Sportereignisse auf koreanische Uhrzeiten legt, zu denen man zu erfrieren droht, der hat nicht weniger als leere Stadien verdient.

Der Irrsinn ist noch steigerbar: Das 35.000 Zuschauer fassende Olympiastadion, Austragungsort keiner einzigen Sportart, sondern nur Kulisse für Eröffnungs- und Schlussfeier, kostete geschätzt 62 Millionen Euro. Wie viele andere eigens für die Spiele erbauten Arenen könnte es nach dem zweiwöchigen Spektakel gleich wieder abgerissen werden. Die Hallen und Arenen werden schlichtweg nicht mehr gebraucht. Lohnendes Investieren und nachhaltiges Bauen sieht anders aus. Prestige steht scheinbar über allem.

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