Aussage gegen Aussage: Ex-Teamchef Holczer bestreitet weiter, vom Doping des Radprofis gewusst ...
Widersprüche im Schumacher-Prozess

Der ehemalige Leiter des Radsport-Teams Gerolsteiner, Hans-Michael Holczer, bestreitet weiterhin, von Doping in seinem Team gewusst zu haben. Bild: dpa
Es steht weiter Aussage gegen Aussage: Der wegen Betrugs angeklagte Radprofi Stefan Schumacher und sein ehemaliger Teamchef Hans-Michael Holczer bleiben bei ihren Darstellungen. Welche der beiden Hauptfiguren am Ende des Prozesses recht bekommt, ist nach vier von acht Verhandlungstagen vor dem Landgericht Stuttgart noch nicht ersichtlich. Aber eine der beiden Versionen vom Umgang mit Doping im ehemaligen Vorzeige-Radrennstall Gerolsteiner kann so nicht stimmen. Dazu gibt es zu viele Widersprüche.

Für Holczer steht außer Frage, dass Doping-Sünder Schumacher ihn in Interview-Beichten vor dem Prozess und bei Aussagen vor der 16. Großen Strafkammer zu Unrecht der Mitwisserschaft beschuldigt hat. "Es sind noch nie in dieser Art und Weise Dinge dargestellt worden, wie sie nicht gewesen sind", beklagte sich der 59-Jährige. Schumachers Unterstellungen zeugten "aus meiner Sicht von einem grenzenlosen Egoismus".

Die Reaktion des Angeklagten? "Das ist Blödsinn. Ich habe die Hosen runtergelassen. Das wäre für ihn auch mal an der Zeit", sagte Schumacher nach Holczers drittem und wohl letztem Auftritt vor Gericht am Dienstag. "Die Widersprüche in seinen Aussagen kann man nicht übersehen, wenn man sich mit der Materie jetzt beschäftigt." Vier Verhandlungstage hat das Gericht um den Vorsitzenden Richter Martin Friedrich noch, um die Kernfrage zu klären. Hat Schumacher seinen Ex-Boss Holczer um Gehalt in Höhe von 151 463,50 Euro betrogen, weil er am 17. Juli 2008 bei der Tour de France behauptet hatte, er dope nicht? Oder wusste Holczer unabhängig von dem Gespräch ohnehin Bescheid und konnte daher gar nicht hintergangen werden?
Schon allein die Erinnerungen an die Unterredung im Mannschafshotel bei der Frankreich-Rundfahrt gehen auseinander. Schumacher hatte ausgesagt, die Befragung durch Holczer, Teamarzt Mark Schmidt und dem Sportlichen Leiter Christian Henn habe etwa zehn Minuten gedauert. Holczer spricht von knapp einer Stunde. Henn wiederum sagte am dritten Verhandlungstag: "Eine Stunde? Nein das glaube ich nicht". Es seien eher zehn Minuten gewesen.
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