Barcelona bewahrt dennoch in der Stunde der Schmach Haltung - Ohne Zielstrebigkeit
Eine Tracht Prügel für die Besten

München. (mr) 113 Jahre ist der FC Barcelona mittlerweile alt. Es wird nicht viele Trainer des stolzen Fußballclubs aus Katalonien seit dem Jahr 1899 gegeben haben, die wie Jordi Roura am Dienstagabend hilflos erklären mussten: "Mehr war heute einfach nicht drin." Ein Satz - eine Bankrotterklärung. Und es wird in dieser mehr als hundertjährigen Geschichte von Barça kaum einen Spieler gegeben haben, der wie Gerard Piqué zugeben musste: "Sie haben uns heute eine richtige Tracht Prügel verpasst." Der Höhepunkt der Demütigung: Nach dem 0:4 schoben sich die Spanier in den letzten fünf Minuten hinten nur noch den Ball zu: Bloß kein Tor mehr kassieren! Die weiße Flagge bei Barça - vor diesem Dienstagabend undenkbar.

"Die Niederlage tut sehr, sehr weh", urteilte Co-Trainer Jordi Roura, der Chefcoach Tito Vilanova auf der Pressekonferenz vertrat. Mit diesem bayerischen Sturm, der über sie hinweggefegt war, hatten sie nicht gerechnet. Es sollte die Show von Lionel Messi werden, und dann musste der Argentinier kleinlaut zugeben: "Sie waren viel stärker als wir, körperlich überlegen." Diese Mannschaft aus Barcelona ist wohl fußballerisch immer noch die stärkste dieses Planeten. Ihre Raffinessen, ihre filigrane Ballbehandlung zeigte sie auch in München. Mehr als 60 Prozent Ballbesitz hatte sie, das Kurzpassspiel war wie immer traumhaft, doch die Spanier drohen an ihrer fußballerischen Selbstverliebtheit allmählich zu ersticken. Der Platzwart hätte das Tor der Bayern abbauen können, die verspielten Gäste hätten es nicht bemerkt. Die Zielstrebigkeit, unbedingt ein Tor erzielen zu wollen, war nie zu erkennen. Zwei halbe Chancen hatten sie im ganzen Spiel.
Freilich ärgerten sich die Spanier über zwei Fehlentscheidungen des Schiedsrichters: Das 2:0 von Mario Gomez war leicht abseits, dem 3:0 von Arjen Robben ging ein Foulspiel von Müller voraus. "Dahinter sollten wir uns aber nicht verstecken", sagte Roura. Auch das ist das Credo des Weltklubs: Immer fair bleiben. Das tat auch Dani Alves, der auf dem Platz 90 Minuten mit allen Mitteln kämpft: "Ich muss heute einem großen Gegner gratulieren."
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