Bayern-Präsident zeigt Reue in der Steueraffäre und bekennt sich zu seinen Börsen-Zockereien - ...
Uli Hoeneß schließt Rücktritt nicht mehr aus

In den Jahren 2002 bis 2006 habe ich richtig gezockt. Das war der Kick, das pure Adrenalin.
Ein reumütiger Uli Hoeneß hat sich erstmals umfangreich zu seiner Steueraffäre geäußert und einen Rücktritt von seinen Ämtern beim FC Bayern München nicht mehr ausgeschlossen. "Wenn ich das Gefühl habe, dass meine Person dem Verein schadet, werde ich Konsequenzen ziehen. Andererseits steht der Verein sportlich und wirtschaftlich so gut da wie nie zuvor - und daran habe ich auch einen großen Anteil. Auf keinen Fall werde ich vor dem Finale der Champions-League zurücktreten", erklärte der Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende im Interview der "Zeit" (Donnerstag).

Die letzten Tage, als sich sein öffentliches Bild vom mächtigen Bayern-Patriarchen mit Herz zum Steuersünder und Buhmann gewandelt hatte, haben dem Vereinspatron des deutschen Fußball-Rekordmeisters jedenfalls schwer zu schaffen gemacht. "Es ist eine Situation, die kaum auszuhalten ist", gestand Hoeneß. Voller Reue bekennt sich der 61-Jährige zu seinen Börsen-Zockereien und schließt auch ein Gerichtsverfahren nicht aus. Seinen FC Bayern aber nimmt er gegen jeden Verdacht in Schutz.
Seit dem 20. April steht Hoeneß durch das Bekanntwerden seiner Selbstanzeige im Zentrum eines öffentlichen Sturms. "Wer Steuern hinterzieht, verhält sich verantwortungslos oder gar asozial", sagte Bundespräsident Joachim Gauck dem "Stern". Zum Fall Hoeneß stellte Gauck in dem ebenfalls am Mittwoch verbreiteten Interview klar: "In unserem Land darf es in rechtlichen und moralischen Fragen nicht zweierlei Standards geben, einen für die Starken und einen für die Schwachen. Niemand darf selbst entscheiden, ob er Steuern zahlt oder nicht."

Hoeneß will für seine "große Torheit" einstehen und sie "so gut wie möglich korrigieren", wie er der "Zeit" versicherte. "Ich habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch", beteuerte er. Eigentlich sei er davon ausgegangen, keine Strafverfolgung befürchten zu müssen. Am 20. März habe jedoch morgens um sieben Uhr die Staatsanwaltschaft an der Tür seines Hauses am Tegernsee geklingelt. "Da begann die Hölle für mich", sagte Hoeneß. Gegen ihn lag sogar ein Haftbefehl vor, der aber gegen die Zahlung einer Kaution in Millionenhöhe außer Vollzug gesetzt wurde.
Verbindungen seines Schweizer Kontos zum FC Bayern bestritt der Weltmeister von 1974. "Dieses Konto war ganz allein Uli Hoeneß", sagte er. Auch die Vereinsspitze hatte stets von einer Privatangelegenheit gesprochen und Hoeneß den Rücken gestärkt. Einen Rücktritt als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender hatte Hoeneß bislang abgelehnt. Er rechne nicht damit, dass ihm das Kontrollgremium der FC Bayern AG nahelegen werde, die Ämter zumindest bis zur Klärung der Sache ruhen zu lassen. Der neunköpfige Aufsichtsrat tagt am Montag in München.

Trotz des Wirbels trat Hoeneß die Reise nach Barcelona zum Rückspiel im Champions-League-Halbfinale an. Sein Verein schickte sich an, mit dem Triple in dieser Saison das Lebenswerk von Hoeneß zu krönen, doch genießen kann das Club-Oberhaupt diese sportlich so glanzvollen Tage kaum. Sogar eine Anklage kalkuliert er offenbar ein. "Sollte ich vor Gericht müssen, erscheine ich dort nicht als kranker Mann", sagte Hoeneß mit Bezug auf sein Millionenspiel an den Finanzmärkten.
Erstmals gab er Einblicke in seine Spekulationen an der Börse. "In den Jahren 2002 bis 2006 habe ich richtig gezockt. Ich habe teilweise Tag und Nacht gehandelt, das waren Summen, die für mich heute auch schwer zu begreifen sind, diese Beträge waren schon teilweise extrem. Das war der Kick, das pure Adrenalin", erklärte Hoeneß. Nach dem Platzen der Internetblase am Finanzmarkt habe er schwere Verluste eingefahren und sei "richtig klamm" gewesen.
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