19.02.2018 - 15:36 Uhr
Deutschland & Welt

Biathlon im Überfluss Pulver verschossen

Genug ist genug. So denkt scheinbar auch Laura Dahlmeier. Die zweifache Olympiasiegerin im Biathlon wird wohl nur noch bei höchstens einem der Staffelläufe in die Loipe gehen. Die vergangenen vier Rennen haben viel Kraft gekostet. Sie scheint ausgepowert, konnte zuletzt im Massenstart ihr wahres Leistungsvermögen nicht mehr abrufen.

Laura Dahlmeier schwächelt derzeit. Das ist völlig verständlich. Bild: Hendrik Schmidt/dpa
von Florian Bindl Kontakt Profil

Das ist nicht nur menschlich, sondern auch verständlich. Der Terminkalender im Biathlon ist für die Sportler so eng getaktet wie in kaum einer anderen Disziplin der Winterspiele. Beinahe jeden zweiten Tag stand ein Wettkampf für Dahlmeier an. Dasselbe gilt auch für die Männer. Dass die Athleten ihre Form - gerade in einer körperlich wie mental derart fordernden Sportart wie Biathlon - nicht so lange konservieren können, ist völlig logisch. Es stellt sich mir nur die Frage, ob diese Verschleißerscheinungen überhaupt nötig wären.

Schon seit Jahren ist Biathlon in der Gunst der Fernsehzuschauer weit vorne. Es ist das Zugpferd im olympischen Gespann. Das IOC ist sich dessen selbstredend bewusst und nimmt seine (durchaus berechtigten) kommerziellen Interessen wahr. Das von Eigennutz geprägte Strickmuster des olympischen Terminkalenders wird hier fadenscheinig. Stets muss es neue, noch spannendere, noch spektakulärere Wettkämpfe geben. Zuletzt wurde 2014 in Sotschi die Mixed Staffel (Dienstag, 12.15 Uhr) eingeführt. Das Wohl der Athleten muss hintanstehen. Im Vordergrund: die Einschaltquoten.

Dass nun die beste deutsche Biathletin nicht mehr die Energie für immerhin ganze sechs Wettkämpfe aufbringt, daran trägt das IOC Mitschuld. Es schießt einmal mehr über das Ziel hinaus. Nicht auszudenken, wenn noch weitere Biathlon-Varianten in Zukunft eingeführt würden. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Auch ich habe die vergangenen Läufe sehr gespannt verfolgt. Dahlmeiers Olympiasiege in Sprint und Verfolgung zählen ebenso wie das Fotofinish zwischen Martin Fourcade und Simon Schempp zu den unumstrittenen Glanzmomenten in Pyeongchang. Aber irgendwann ist auch genug mit Scheibenschießen.

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