Biathlon
Russland kommt mit blauem Auge davon

Die russischen Biathleten um Ekaterina Iourieva bangten, kamen nach der Sitzung des Weltverbands IBU aber mit einem blauen Auge davon. Bild: dpa
 
"Wer betrügt, der fliegt." Zitat: Ricco Groß, deutscher Trainer der russischen Biathleten

Russlands Biathlon-Verband ist nach weiteren Doping-Verdächtigungen vorerst glimpflich davongekommen. Zwar wurden zwei Olympia-Starter gesperrt, doch das große Reinemachen blieb zunächst aus.

München. Russlands Biathleten sind nach den schockierenden Doping-Enthüllungen um eine Kollektivstrafe herumgekommen. Zwei der 31 verdächtigen Russen wurden am Donnerstag vom Weltverband IBU vorläufig gesperrt. Es handelt sich um Olympiastarter - Namen wurden jedoch nicht genannt. Die IBU leitete zudem "formelle Untersuchungen" gegen den russischen Verband und 29 der im McLaren-Report genannten Sportler ein. Auf eine Suspendierung wurde zunächst verzichtet. Dies teilte der Weltverband nach einer Vorstandssitzung am Donnerstag in München mit. 31 russische Skijäger waren zuvor im McLaren-Report als dopingverdächtig genannt worden.

Um einem Boykott von anderen Länder zuvorzukommen, gab der russische Biathlonverband die Juniorenweltmeisterschaft in Ostrow und den Weltcup in Tjumen im März 2017 zurück. "Ich hatte vor allem befürchtet, dass unsere Sportler disqualifiziert werden. Gut, dass es die Biathleten nicht betrifft", sagte Vorstandsmitglied Alexander Tichonow nach Angaben der Agentur Tass.

Das Internationale Olympische Komitee begrüßte die Entscheidungen. "Sie steht im Einklang mit den Empfehlungen des Olympic Summit und des IOC-Vorstandes", sagte ein Sprecher. IBU-Chef Anders Besseberg erklärte, die Rückgabe der Veranstaltungen sei ein erster wichtiger Schritt der russischen Biathlon-Union, "um der IBU und der Welt des Sports zu zeigen, dass die aktuelle Situation sehr ernst genommen" werde. Die für 2021 geplante Weltmeisterschaft in Tjumen wurde allerdings zunächst nicht angetastet.

Schon vor dem Doping-Gipfeltreffer der Biathlon-Topfunktionäre waren die Russen in die Offensive gegangen. Man arbeite seit Jahren eng mit der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada zusammen und sei kooperationsbereit, hatte der Verband in einer Erklärung geschrieben. Ein Beleg für den Anti-Doping-Kurs sei auch die Anstellung der deutschen Trainer Ricco Groß und Wolfgang Pichler gewesen, "die wohl kaum bereit gewesen wären, ihre Reputation aufs Spiel zu setzen". Der Ruhpoldinger Pichler hatte Russlands Damen bis Sotschi 2014 betreut, sein Kollege Groß ist momentan Cheftrainer der russischen Männer. Er hat immer wieder betont: "Wer betrügt, der fliegt."

Wer betrügt, der fliegt.Ricco Groß, deutscher Trainer der russischen Biathleten


Vier Biathlon-Medaillen in SotschiMehr als 1000 russische Sportler waren nach Ermittlungen der Welt-Anti-Doping-Agentur zwischen 2011 und 2015 Teil der staatlichen Dopingpolitik. Es wurden Beweise gefunden, dass Dopingproben von insgesamt zwölf Medaillengewinnern der Sotschi-Spiele 2014 manipuliert wurden.

Vier Olympiasieger seien dabei gewesen, hatte Wada-Chefermittler Richard McLaren am 9. Dezember in London mitgeteilt. Von den 33 russischen Olympia-Medaillen in Sotschi gingen vier an die Skijäger. Einmal war auch Biathlon-Gold dabei. In der Staffel besiegten Alexei Wolkow, Jewgeni Ustjugow, Dmitri Malyschko und Anton Schipulin das deutsche Silber-Quartett um Schlussläufer Simon Schempp. Schipulin hatte zuletzt erklärt: "Mein Gewissen ist rein." (dpa)
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