12.04.2018 - 21:28 Uhr
Deutschland & Welt

Champions-League Juventus schimpft und zürnt

Buffon verliert die Nerven und attackiert den Schiedsrichter - verbal und körperlich. Nur mit viel Glück leben die Triumphträume von Titelträger Real weiter.

Die Wut auf Schiedsrichter Michael Oliver war bei den Juventus-Spielern grenzenlos. Nach der Elfmeter-Entscheidung attackierte vor allem Torwart Gianluigi Buffon (Zweiter von links) den englischen Referee und sah dafür die Rote Karte. Bild: Gtres/dpa
von Agentur DPAProfil

Madrid/Turin. Nach dem bitteren Champions-League-Knockout war die Wut bei Juventus Turin grenzenlos. Torwart-Legende Gianluigi Buffon beschimpfte den Schiedsrichter, Präsident Andrea Agnelli sprach gar von einer "wissenschaftlichen" Bestrafung für italienische Clubs, durch die Juve im Herzschlag-Duell an Titelverteidiger Real Madrid scheiterte. Ein "Verbrechen gegen den Sport" witterten die italienischen Gazetten, nachdem es trotz des 3:1-Sieges im Bernabeau nicht für die Turiner gereicht hatte. Auch die Stars von Real Madrid um Weltfußballer Cristiano Ronaldo und Weltmeister Toni Kroos lächelten eher erleichtert als euphorisch.

Der 40 Jahre alte Buffon, für den das Rückspiel im Viertelfinale womöglich das letzte Spiel in der Königsklasse war, redete sich in Rage und knöpfte sich nach seiner mit Rot bestraften Tätlichkeit auch verbal den Schiedsrichter vor. Gemeint war Michael Oliver aus England, der "anstelle des Herzens einen Mülleimer" trage und lieber auf der Tribüne Chips essen solle, als zu pfeifen, schimpfte der Routinier.

Der Zweikampf zwischen Mehdi Benatia und Lucas Vázquez in der Nachspielzeit erhitzte derart die Gemüter, dass einzelne Juve-Profis im Moment der Enttäuschung vollkommen die Kontrolle über sich verloren. Kurz danach schoss Ronaldo Titelverteidiger Real in der siebten Minute der Nachspielzeit beim sensationellen Stand von 0:3 und der drohenden Verlängerung mit einem Foul-Elfmeter ins Glück. "Wir müssen daraus die Lehren ziehen. Im Fußball wird dir nichts geschenkt", sagte Ronaldo kurz danach.

Die Madrider Sportzeitung "AS" resümierte das Geschehen mit den Schlagzeilen "93 Minuten Angst" und "Von der Panik ins Halbfinale". Das in Barcelona erscheinende Blatt "Sport" sprach auf Seite eins vom "Diebstahl des Jahrhunderts". Gemeint war der Elfmeter-Pfiff, bei dem es zweifellos Kontakt gab, aus Sicht der Juve-Profis aber nicht genug. "Ein menschliches Wesen kann nicht einfach pfeifen und somit das Ausscheiden einer Mannschaft nach solch einer Partie und einem sehr zweifelhaften Vorfall verfügen", schimpfte Buffon. Bei Juve setzten sie nach dem Scheitern zum Rundumschlag an. Präsident Agnelli forderte den Abgang des italienischen Schiedsrichterchefs bei der Uefa, Pierluigi Collina, der voreingenommen entscheide, wie Agnelli meint.

Die Gemüter waren auch nach dem Abpfiff derart erhitzt, dass sich die Spieler beider Teams nach spanischen Medienberichten im Kabinengang beschimpften und drauf und dran waren, handgreiflich zu werden. Polizisten und der am Mittwoch wegen einer Sperre nicht eingesetzte Real-Kapitän Sergio Ramos hätten Schlimmeres verhindert, schrieb die Zeitung "Mundo Deportivo". Trotz allem Einsatz droht dem Spanier nun eine weitere Sperre, weil er - sehr aufgeregt - entgegen den Regeln die letzten Spielminuten vom Ausgang des Spielertunnels aus verfolgte.

In Italien mischte sich in die Wut allerdings auch Stolz auf die unglaubliche Aufholjagd der Turiner, die es fast doch noch ins Halbfinale geschafft hätten. Nun richtet sich der Blick auf den AS Rom, der das Fußballwunder vollbracht und Barcelona bezwungen hatte. Am Freitag (13.00 Uhr) wird sich entscheiden, ob die römischen Underdogs Gegner des FC Bayern, von Real Madrid oder des FC Liverpool werden.

Wir müssen daraus die Lehren ziehen. Im Fußball wird dir nichts geschenkt.Cristiano Ronaldo

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