14.09.2017 - 22:22 Uhr
Sport

Davis-Cup-Team kämpft gegen Abstieg Beckers heikle Mission

Der ersatzgeschwächten deutschen Davis-Cup-Auswahl droht der erste Abstieg in die Zweitklassigkeit seit 2003. Trotzdem sagt der neue Chefberater Boris Becker vor der Relegationspartie in Portugal: "Wir sind guter Dinge."

Ob sich der Head of Men's Tennis am Wochenende auch so freuen kann? Boris Becker steht als neuer Chef des deutschen Herren-Tennis vor seiner ersten Bewährungsprobe. In Portugal kämpft die Davis-Cup-Mannschaft gegen den Abstieg aus der Weltgruppe. Erschwerend kommt hinzu, dass die besten deutschen Spieler aus diversen Gründen abgesagt haben. Bild: Kathy Willens/dpa
von Agentur DPAProfil

Oeiras. Vor seiner Premiere als neuer Chef im deutschen Herren-Tennis musste Boris Becker erst einmal in der zweiten Reihe Platz nehmen. Das graue Jackett über das Knie gelegt und mit schwarz-rot-goldener Trainingsjacke über der Anzughose saß der dreimalige Wimbledonsieger am Donnerstag auf einem weißen Plastikstuhl im Palácio Marquês Pombal von Oeiras und verfolgte die Auslosung für das Davis-Cup-Abstiegsduell in Portugal.

Prominente Absagen

In dem rund 20 Kilometer westlich von Lissabon gelegenen Ort an der Atlantikküste kämpft eine deutsche B-Auswahl am Wochenende gegen den Abstieg aus der Weltgruppe der besten 16 Tennis-Nationen. Nach den Absagen von Alexander und Mischa Zverev und Philipp Kohlschreiber sollen Jan-Lennard Struff (Warstein/Ranglisten-54.), Cedrik-Marcel Stebe (Vaihingen/90.) und die Debütanten Yannick Hanfmann (Karlsruhe/136.) und Tim Pütz (Frankfurt/Main/380.) den ersten Absturz einer deutschen Auswahl in die 2. Liga und die sogenannte Europa/Afrika-Zone seit 14 Jahren vermeiden.

"Ich hoffe, dass ich mit meiner Präsenz und meinen Worten etwas Druck von den Spielern nehmen kann", sagte Becker. "Wenn ich mehr im Fokus stehe und die Spieler dadurch etwas ruhiger in das Spiel gehen können, ist das gut." Stebe und Struff sind zwar Davis-Cup-erfahren und haben auch schon entscheidende Punkte geholt, das öffentliche Rampenlicht wie nun in Portugal ist aber ihre Sache nicht.

Marginale Unterschiede

Stebe eröffnet am Freitag (12 Uhr) gegen Portugals Nummer eins Joao Sousa (57.). Das zweite Einzel bestreitet Struff gegen Pedro Sousa (107.). "Von der Papierform her sind wir nominell etwas besser, aber der Unterschied ist marginal", sagte Teamchef Michael Kohlmann. Becker saß zunächst inmitten der Zuhörer im Plenum, machte ein paar Aufnahmen mit seinem Handy und lächelte kurz, als Bürgermeister Paulo Vistas recht herzlich das "dutch" Team begrüßte.

Und natürlich drängten sich die Reporter und Kameraleute später im gepflasterten Innenhof an dem Stehtisch um den 49-Jährigen, während Struff & Co. recht entspannt im Schatten der Bäume standen. Nur auf ein Gedankenspiel wollte sich Becker partout nicht einlassen. Ob denn nun ein Abstieg, ausgerechnet bei seinem Einstand, einer sportlichen Katastrophe gleichkommen würde? "Das sind für mich ungelegte Eier", sagte Becker und fügte fast philosophisch an: "Ich spreche nie vor einem Spiel über Möglichkeiten. Wir spielen auf Sieg und alles andere findet bei mir im Kopf nicht statt."

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