01.02.2018 - 21:14 Uhr
Deutschland & Welt

Der CAS hat lebenslange Olympia-Sperren gegen 28 russische Athleten getilgt - aus Mangel an ... Paukenschlag kurz vor Olympia

Eine Woche vor den Winterspielen steht das IOC blamiert da. Der CAS hat lebenslange Olympia-Sperren gegen 28 russische Athleten getilgt - aus Mangel an Beweisen.

von Agentur DPAProfil

Pyeongchang/Genf. Ein sonniger Donnerstag neigte sich am Olympia-Ort Pyeongchang dem Ende zu, die ersten Athleten waren gerade ins olympische Dorf eingezogen, da erschütterte der Generalsekretär des Internationalen Sportgerichtshofs CAS mit seinem Statement die Sportwelt: Der CAS hat alle Doping-Sanktionen gegen 28 russische Wintersportler aufgehoben. Elf weitere Sportler bleiben von den Spielen in Pyeongchang ausgeschlossen, ihre lebenslangen Sperren für Olympia sind aber ebenfalls ungültig.

Vor allem die Begründung war für das IOC, das die Urteile gefällt hatte, eine schwere Niederlage. Denn der CAS kippte die Sperren aus Mangel an Beweisen. Den Juristen erschien zu dürftig, was das IOC zusammengetragen hatten, bevor es insgesamt 43 russische Wintersportler von künftigen Olympischen Spielen ausgeschlossen hatte, weil die Athleten bei den Heim-Spielen in Sotschi 2014 von organisierten Manipulationen profitiert haben sollen.

Für Alfons Hörmann, den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), ist der CAS-Spruch "ein höchst unbefriedigendes Urteil, weil damit das nachweislich vorhandene und völlig inakzeptable staatliche Dopingsystem in Russland nicht in der gebotenen Härte bestraft werden kann". Er sprach von einer "schlechten Nachricht für den Weltsport".

Die Rechtsstreitigkeiten um die Sperren zeigen das Chaos im Weltsport deutlich. So hatte das IOC zwar russische Bob- und Skeleton-Sportler für die Spiele gesperrt, an den Weltcup-Wettbewerben nahmen sie aber teil. Andreas Trautvetter, Vizepräsident des Weltverbandes, fühlt sich im Umgang mit den zuvor gesperrten Russen bestätigt: "Diese Entscheidung vom CAS habe ich erwartet, weil die europäische Rechtslage gilt. Da gilt die Unschuldsvermutung, bis man die Schuld nachgewiesen hat. Die Beweise waren von Beginn an nicht ausreichend."

Der russische Sport drängt nach dem CAS-Urteil auf mehr Teilnehmer bei den am Freitag kommender Woche beginnenden Spielen. Sportminister Pawel Kolobkow sagte der Agentur Interfax, nun erwarteten die Sportler, dass das IOC reagiere und sie auch zu den Winterspielen in Südkorea zulasse. "Wir sind froh, dass die Gerechtigkeit endlich triumphiert hat", tönte Kolobkow. Die CAS-Entscheidung bestätige, dass die Athleten "sauber" seien.

Das besagt der Spruch des Sportgerichtshofs allerdings nicht. Der CAS betonte, dass die Athleten nicht für "unschuldig" erklärt worden seien, sondern dass die Beweislage seines Erachtens nicht ausreichend sei. Und: Nur die individuellen Fälle seien beurteilt worden, es sei nicht um die Frage gegangen, ob es ein organisiertes Dopingsystem in Russland gegeben habe. Das NOK Russlands war Anfang Dezember für die Winterspiele gesperrt worden.

DOSB-Präsident Hörmann befürchtet nun eine "lang anhaltende juristische Auseinandersetzung mit jahrelangen Unklarheiten auch für die Athleten, die rückwirkend in die Medaillenränge aufsteigen müssten."

Wir sind froh, dass die Gerechtigkeit endlich triumphiert hat.Pawel Kolobkow, russischer Sportminister
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