26.02.2004 - 00:00 Uhr
Sport

Der Fehlgriff des Jahres: Bayern-Keeper beschenkt die "Königlichen": Das "Kahn" nicht wahr sein

Wie zwei Schandflecken lagen sie an der Strafraumgrenze. Oliver Kahn hatte sein Handwerkszeug gleich nach dem Abpfiff weggeschleudert. Vielleicht waren's ja die Handschuhe?

von Josef Maier Kontakt Profil

Der Bayern-Keeper brauchte nach dem 1:1 (0:0) gegen Real Madrid eine Nacht, um seinen Riesenfehlgriff zu verarbeiten. Am Mittwoch demonstrierte er zumindest kurzzeitig Selbstbewusstsein: "Jetzt muss ich das Spiel in Madrid alleine gewinnen." Richtig ernst gemeint war's wohl nicht. Ihn stimme schon nachdenklich, warum sich derlei Fehler zuletzt bei ihm häuften, sinnierte er. Die Verletzung zuletzt sei auf jeden Fall nicht Schuld gewesen. "So einen Ball kann man ja halten, da kann man ohne zwei Arme und Beine spielen."

Ausgerechnet der Torwart-Titan, der Einzige vor dem die Spanier Angst hatten, bescherte Real noch einen Treffer (83.). Unter dem Bauch war ihm Roberto Carlos' Freistoß aus gut 30 Metern durchgerutscht. Binnen Sekunden wurde aus einem 90 Kilogramm schweren Ausbund an Stärke ein Häuflein Elend. So klein können auf einmal 1,88 Meter sein. "In diesem Geschäft können sich innerhalb von Zehntelsekunden Welten verändern. Genau das ist passiert", beschrieb Kahn völlig niedergeschlagen seine Gefühlswelt. Schon vor Wochenfrist beim Länderspiel in Kroatien hatte er gepatzt.

Andere Reizpunkte des Mega-Schlagers des Champions-League-Achtelfinales zwischen den "Königlichen" aus Madrid und den "Kaiserlichen" aus München rückten in den Hintergrund. Die Krise des Oliver K. war das beherrschende Thema. "Mein Gott, das kann auch dem Oliver passieren", sagte Roy Makaay, der die Bayern in der 75. Minute hochverdient in Führung geköpft hatte. Die Version von Trainer Ottmar Hitzfeld hörte sich nicht viel anders an. "Ohne Olli wären wir doch gar nicht im Achtelfinale." Der Keeper sei auch nur ein Mensch, und ein solcher dürfe Fehler machen.

Doch der Ehrgeizling im Münchner Kasten gestattet sich solche am wenigsten. Ein Kahn macht keine Fehler! Normalerweise. Zuletzt waren es zwei. Da wird einer auf der Insel ganz kräftig mit den Hufen scharren. Und noch einer war sauer: "Ich hoffe, dass Kahn den Fehler in Madrid wieder gut macht", polterte Franz Beckenbauer.

Die Spanier nahmen das Geschenk Kahns dankend an. "Wir hätten uns kein besseres Ergebnis wünschen können", frohlockte Trainer Carlos Quieroz. Die Analyse war treffend. Die Bayern spielten an diesem Abend vor 59000 Zuschauern wie die Könige, die Madrilenen wie zuletzt die Münchner. Hitzfeld: "Wenn man die Real-Stars aggressiv bekämpft, dann verlieren sie irgendwann die Lust zum Spielen." Das war bei den Spaniern schon nach zehn Minuten der Fall. "Der Ronaldo wäre ja fast eingefroren", umschrieb Ex-Bayer Lothar Matthäus etwa den Auftritt des Brasilianers. Nur Zinedine Zidane ließ ab und an sein Können aufblitzen. Allerdings scheint der Franzose schon jetzt - mit 31 Jahren - unter Denkmalschutz zu stehen. Zweikämpfe der Bayern-Spieler mit dem Superstar wertete der Schiedsrichter oft als Majestätsbeleidigung.

"Das wird noch verdammt schwer für uns", wartet Beckham auf den nächsten heißen Tanz im Rückspiel. Denn: "Wir sind jetzt wieder selbstbewusster", meinte Hitzfeld, der sich vor allem über die starken Auftritte von Ze Roberto und Willy Sagnol freuen durfte, aber die vielen vergebenen Chancen kritisierte. Pech auch, dass der ausgewechselte Bixente Lizararu mit einem Muskelfaserriss zwei bis drei Wochen ausfallen wird.

Oliver Kahn wird am Samstag gegen den VfL Wolfsburg wieder dabei sein. Allerdings ohne seine Handschuhe vom Dienstag. Die räumte ein Ordner später aus dem Strafraum. Die Dinger braucht der Keeper sicher nicht mehr.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.