25.02.2018 - 21:38 Uhr
Deutschland & Welt

Deutsche Eishockeycracks so nah an der Sensation Dieses Silber glänzt wie Gold

Das historische Olympia-Finale von Pyeongchang ging dramatisch verloren, doch das Eishockey-Nationalteam hat eine ganze Nation verzückt. Am Ende feierten die Spieler ihre Silbermedaillen wie Gold.

Frank Mauer (links) ist immer noch etwas frustriert, doch Goalie Danny aus den Birken hat den größten Erfolg in der deutschen Eishockey-Geschichte mittlerweile realisiert. Bild: Daniel Karmann/dpa
von Agentur DPAProfil

Pyeongchang. Die stürmische Silberparty von Deutschlands Eishockey-Wunderteam war selbst für US-Skistar Lindsey Vonn unwiderstehlich. Als die Kufencracks von Bundestrainer Marco Sturm nach der Olympia-Schlussfeier am Sonntag das extra für sie noch geöffnete Deutsche Haus enterten, war die Trauer über das nur um 55,5 Sekunden verpasste Gold längst verflogen. "Reißt die Hütte ab", brüllten die Puckjäger zum Start der letzten großen Sause in Pyeongchang - und die von Nationalspieler Yannic Seidenberg eingeladene Alpin-Legende Vonn war immer mittendrin.

Am Tresen zapfte Alfons Hörmann, Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes, eigenhändig das Bier für die neuen Sportlieblinge der Nation. "Das ist eine unfassbare Geschichte für uns alle. Für uns ist ein großer Traum in Erfüllung gegangen", sagte Torwartheld Danny aus den Birken, ehe er wieder in der tosenden Jubeltraube seiner Teamkollegen verschwand. "So sehen Sieger aus", tönte immer wieder durch die Räume des sonst so gesitteten Birch Hill Golf Clubs. Fast schon vergessen war das unglückliche 3:4 (0:1, 1:0, 2:2) nach Verlängerung im Finalkrimi gegen die Stars der Olympischen Athleten aus Russland (OAR).

Auch für Stürmer Patrick Reimer gab es nun kein Halten mehr, nachdem er kurz nach dem Endspiel noch besonders geknickt war. Während einer Strafzeit gegen den Nürnberger schossen die Russen in der Verlängerung das Siegtor durch Kirill Kaprisow in der 10. Minute der Overtime. Der große Goldfavorit hatte gegen ein bravourös kämpfendes Team erst 55,5 Sekunden vor dem Ende ausgeglichen. "Hat Ihnen schon mal jemand ins Herz gestochen? So fühlt sich das an", sagte der starke Goalie aus den Birken.

Doch nach einer langen Ansprache von Coach Sturm trockneten allmählich die Tränen der deutschen Spieler, die die Russen nach Toren von Felix Schütz (30.), Dominik Kahun (54.) und Jonas Müller (57.) beinahe in die Knie gezwungen hätten. "Ganz Deutschland ist stolz auf uns", meinte aus den Birken über den grandiosen Erfolg, der nach 42 Jahren endgültig Olympia-Bronze von 1976 verblassen lässt. "Wir lassen uns jetzt auch 40 Jahre lang feiern. Vielleicht hat ja Hollywood Lust, einen Film über uns zu machen. Ich möchte nur, dass Brad Pitt mich dann spielt", witzelte der zum besten Olympia-Keeper benannte aus den Birken.

"Yannic Seidenberg stand neben mir und hat gesagt: 'Das ist ein Bild, auf das schauen wir ein Leben lang zurück'. Da will ich nicht mit irgendeiner Grimasse dastehen, sondern mit lachendem Gesicht", sagte Reimer (35). "Wir haben es uns verdient, dass wir lachen können. Wir können mehr als stolz sein."

Zunächst ging es für die Silbergewinner weiter zur Schlussfeier, auf der Abwehr-Ass Christian Ehrhoff stellvertretend für das gesamte Team die deutsche Fahne trug. Die Medaillen hingen um den Hals, David Wolf trug Yannic Seidenberg beim Einmarsch ins Olympiastadion auf seinen Schultern.

"Wir sind nicht nur als eine Mannschaft zusammengewachsen. Ich denke auch, ganz Deutschland ist zusammengewachsen. Das werden wir als eine Mannschaft auch nicht vergessen", sagte Marco Sturm.

Vielleicht hat ja Hollywood Lust, einen Film über uns zu machen. Ich möchte nur, dass Brad Pitt mich dann spielt.Goalie Danny aus den Birken

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