23.03.2018 - 22:16 Uhr
Deutschland & Welt

Diskussion gehen trotz Abstimmung weiter "50+1" bleibt angreifbar

Nach dem Beschluss der Bundesligisten, die Investoren-Regel "50+1" zu erhalten, müssen Juristen nun für Rechtssicherheit sorgen oder Änderungsvorschläge machen.

von Agentur DPAProfil

Frankfurt. Die 50+1-Regel hat weiter Gültigkeit für die Fußball-Bundesligen, Experten halten sie aber für juristisch angreifbar. "Es muss geklärt werden, was die rechtlichen Schwachpunkte sind", sagte Frank Wettstein, Vorstandsvorsitzender des Hamburger SV. "Das Ziel soll ja sein, '50+1' beizubehalten."

Klagen erfolgsversprechend

Keinen Zweifel hat der Sportrechtsexperte Paul Lambertz, dass die Investoren-Regel vor Gericht zu kippen ist. "Ja, die 50+1-Regel ist auf jeden Fall justiziabel", sagte er. Jedes Mitglied der DFL und "sehr wahrscheinlich auch jeder ernsthafte Investor könnte gegen die Regel klagen, wenn er sich in seinen Rechten verletzt" sehe. Die Deutsche Fußball-Liga hatte am Donnerstag mehrheitlich für die Beibehaltung der 50+1-Regel, mit der eine komplette Übernahme von DFL-Clubs durch Investoren verhindert wird, gestimmt.

Lambertz, der eine Reihe von Bundesligisten berät, sieht besonders das Ständige Schiedsgericht der DFL - es muss zunächst von jedem Liga-Mitglied angerufen werden - als angreifbaren Schwachpunkt. "Nach dem Ständigen Schiedsgericht steht der Gang vor die ordentlichen Gerichte offen. Denn meiner rechtlichen Auffassung nach ist es kein echtes Schiedsgericht im Sinne der Zivilprozessordnung", erklärte der Kölner Rechtsanwalt, der selbst Schiedsrichter ist. Nur wenn es sich um ein echtes Schiedsgericht handeln würde, hätte dessen Schiedsspruch dieselbe Wirkung wie ein rechtskräftiges Urteil. Aus seiner Sicht ist es kein echtes Schiedsgericht, weil dessen Vorsitzender Udo Steiner (Lambertz: "Ein über jeden Zweifel erhabener Jurist") von der DFL bestellt worden sei. In einem Verfahren könne zwar jede Partei noch einen Schiedsrichter für das Dreier-Gremium bestimmen, doch der Vorsitzende stehe schon fest. Lambertz: "Die DFL hat damit ein Übergewicht bei der Bestellung der Schiedsrichter." Für ihn sind einige Änderungen denkbar, durch die die Zustimmung für Großinvestoren mit 51 Prozent Stimmanteil in DFL-Vereinen größer werden könnte. Dazu könnte die Verpflichtung der Clubs durch die DFL gehören, dass Gesellschaftsanteile erst nach fünf oder zehn Jahren verkauft werden könnten. "So würde man die Investoren abschrecken, die nur aus kurzfristigen Bestreben nach Kapitalmaximierung Anteile an Bundesligisten kaufen wollen", argumentiert Lambertz.

Fans zufrieden

Außerdem könne man auch verlangen, dass dem Verein immer ein Vorkaufsrecht eingeräumt werden muss. "Das wären erste Ideen, Investoren zuzulassen, aber dennoch die Besonderheiten des Fußballs zu bewahren", meinte Lambertz.

Viele Fußball-Anhänger freuen sich über die Entscheidung. Die Organisatoren der Fan-Initiative "50+1 bleibt!" wollen sich weiter für den Erhalt der Investoren-Regel einsetzen. "Es war gestern ein sehr, sehr deutliches Zeichen, dass '50+1' beibehalten werden soll. Aber es gilt, das Ganze weiter kritisch zu begleiten", sagte Manuel Gaber, einer der Initiatoren der Kampagne. "Wir werden schauen müssen, wie die DFL den weiteren Prozess gestalten wird." Rund 3100 Fanclubs und Organisationen hatten eine Petition zum Regel-Erhalt unterschrieben.

Kurzfristige Absage

Bei der DFL-Mitgliederversammlung am Donnerstag stimmten 34 von 36 deutschen Profivereinen über die zukünftige Handhabe der 50+1-Regel ab. Neben dem 1. FC Kaiserslautern fehlte auch ein Vertreter des SSV Jahn Regensburg in Frankfurt. Dies sorgte in mehreren überregionalen Medien für Unverständnis und Kritik.

"Der SSV Jahn musste die Teilnahme an der DFL-Mitgliederversammlung krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Im Zuge dieser Absage hinterlegte der SSV Jahn seine Position zu allen relevanten Tagesordnungspunkten - und insbesondere zur 50+1-Regel - auch nochmals beim DFL-Präsidium. Eine Abstimmung zu '50+1' im Sinne einer Stimmabgabe aller Clubs war nicht Teil der Tagesordnung und kam erst durch einen Antrag des FC St. Pauli zustande. Wäre der SSV Jahn anwesend gewesen, hätte er im Sinne seiner klaren Positionierung zu '50+1' für diesen Antrag gestimmt", teilte der Verein am Freitag auf Nachfrage gegenüber Oberpfalz-Medien mit.

"Grundsätzlich wird die SSV Jahn GmbH & Co. KGaA bei allen entsprechenden Veranstaltungen durch die Geschäftsführung vertreten. Die Entsendung eines Stellvertreters war kurzfristig nicht möglich", hieß es weiter. (fle)

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