17.10.2017 - 22:38 Uhr
Sport

Einer der "Helden von Bern" Hans Schäfer feiert seinen 90. Geburtstag

Köln. Sein ohnehin schon ambitioniertes Lebensziel hat Hans Schäfer längst modifiziert. 102 wolle er werden, hatte der ehemalige Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft an seinem 75. Geburtstag gesagt: "Und dann in meiner Stammkneipe mit einem Glas Kölsch in der Hand an der Theke sterben." Nun ist dieses Ziel nicht mehr all zu weit. Am Donnerstag feiert Schäfer seinen 90. Geburtstag. Und 102 scheint ihm denn auch nicht mehr genug. 105 sei nun das neue Ziel, sagte Schäfer: "Ich habe noch viel vor."

Hans Schäfer am Zugfenster im Bahn-hof in Singen mit dem Jules-Rimet-Pokal: Der Weltmeister von 1954 feiert am Donnerstag seinen 90. Geburtstag. Bild: Richard Kroll/dpa
von Agentur DPAProfil

Die Aussagen seien "typisch Hans", sagt Horst Eckel, 1954 Zimmernachbar Schäfers. "Immer vorausschauend und mit typisch rheinischem Humor." Eckel und Schäfer sind die beiden einzig noch lebenden Weltmeister von vor 63 Jahren. Was beide eint, ist die Ablehnung des Personenkults um die "Helden von Bern". "Es ist doch kein Heldentum, wenn ich ein Spiel gewinne, und sei es eine Weltmeisterschaft", sagte Schäfer 2006 der "Zeit". Und ein Wunder sei es auch nicht gewesen: "Im Sport haben Außenseiter immer eine Chance. Wir haben sie genutzt, daran ist nichts Übernatürliches."

Wegen dieser Einstellung sei "De Knoll" (der Dickkopf) "ein Vorbild, von dem ich meinen Spielern gerne erzähle", sagt DFB-Sportdirektor Horst Hrubesch. Für Toni Schumacher, einst Torhüter-Ikone bei Schäfers Verein 1. FC Köln und heute dort Vize-Präsident, ist der Jubilar "eine wahre FC-Legende" und "Vorbild für Legionen von Fußballern in Köln". Für FC-Präsident Werner Spinner ist Schäfer "das größte Fußball-Idol unserer Stadt" und "eine der größten Legenden des deutschen Fußballs".

Zum ersten Mal seit 25 Jahren ist der FC wieder im Europacup dabei, das freut Schäfer. Doch aktuell ist sein Verein Letzter der Bundesliga. Als "De Knoll" noch die Fäden zog, war der FC das "Real Madrid des Westens". 1962 führte Schäfer die Kölner zum Meistertitel, 1964 gelang dasselbe in der ersten Bundesligasaison. 1963 wurde Schäfer zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt. Unvergessen bleibt er aber vor allem wegen des Spiels am 4. Juli 1954 im Wankdorfstadion von Bern. Und wegen der legendären Rundfunk-Reportage von Herbert Zimmermann. "Bozsik, immer wieder Bozsik. Der rechte Läufer der Ungarn am Ball", erzählte dieser. "Er hat den Ball, verloren diesmal gegen Schäfer, Schäfer nach innen geflankt, Kopfball, abgewehrt, aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen, Rahn schießt! Toooor! Tooor! 3:2 für Deutschland!"

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