Eishockey
Trauerspiel um Schönheide

Das erste Heimspiel gegen den EHV Schönheide gewannen die Blue Devils (Szene mit Marko Babic, Mitte) am 11. November mit 7:5. Das zweite findet nicht mehr statt, denn die Sachsen haben den Spielbetrieb in der Oberliga Süd eingestellt. Bild: Gebert

Die Nachricht schlägt am Montagabend ein wie eine Bombe: Der EHV Schönheide stellt Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens und zieht die erste Mannschaft vom Spielbetrieb zurück. Die Konsequenz: In der Oberliga Süd spielen ab sofort nur noch elf Teams. Auch den Blue Devils Weiden geht ein Heimspiel verloren.

Von Rudi Gebert

Weiden. "Das ist eine schockierende und traurige Nachricht für die Liga und den Eishockey-Standort Schönheide. Gerade auch für das Eishockey im Osten ist dies ein herber Rückschlag", wird der für den Spielbetrieb im Deutschen Eishockey-Bund (DEB) zuständige Vizepräsident Marc Hindelang auf der Online-Seite des DEB zitiert. Der EHV Schönheide war vor der Saison 2015/16 auf eigenen Wunsch in die Oberliga Süd gewechselt, konnte aber in der deutlich stärkeren Süd-Staffel sportlich nicht richtig Fuß fassen.

Zuletzt nur 300 Zuschauer

Die vergangene Saison schlossen die Sachsen abgeschlagen als Letzter ab und in der laufenden Serie liegen sie nach 21 Spielen (nur zwei Siege) mit 6 Punkten 13 Zähler hinter dem Vorletzten EHC Waldkraiburg. "Die sportliche Entwicklung des EHV war zuletzt leider so negativ, dass sie sich massiv auf die Zuschauerzahlen ausgewirkt hat", erklärte Hindelang. Zuletzt kamen nur um die 300 Besucher zu den Heimspielen. Trotz aller Sorgen und Probleme kam der Schritt am Montag überraschend. Erst im Oktober war mit Michael Rumrich ein Sportdirektor geholt und die Mannschaft verstärkt worden.

Für die Oberliga Süd bedeutet das Ausscheiden, dass die restlichen Partien mit 3:0 Punkten und 5:0 Toren für den jeweiligen Gegner des EHV Schönheide gewertet werden. "Diese Maßnahme ist notwendig, um keinen Schiefstand in der Tabelle zu bekommen", sagt Oliver Seeliger, Direktor Spielbetrieb im DEB. Durch die regionale Runde sind für die Nord-Vereine (Deggendorf, Höchstadt, Regensburg, Selb und Weiden) vier Spiele gegen Schönheide angesetzt, für die aus dem Süden (Bad Tölz, Landshut, Lindau, Peiting, Sonthofen und Waldkraiburg) nur zwei. Nach dem Ende der Hauptrunde spielen die Platzierten 1 bis 8 wie geplant die Meisterrunde. In der Verzahnungsrunde mit der Bayernliga wird vermutlich der Bayernliga-9. nachrücken, um auf zwei Sechser-Gruppen zu kommen.

Auch in Weiden wurde das Aus der Sachsen mit Enttäuschung aufgenommen, denn wie vier weiteren Vereinen geht auch den Blue Devils ein Heimspiel verloren. Am 23. Dezember hätte Schönheide zum zweiten Mal in der Hans-Schröpf-Arena antreten müssen. "Da fehlen uns mindestens 6000 Euro in der Kasse", erklärte Thomas Siller, der Vorsitzende des 1. EV Weiden, für den die Entscheidung völlig überraschend kam.

Auch kein Spiel am 30.12.

Für Teammanager Christian Meiler ist es "schade für jeden, den es trifft, und für die Liga ein Verlust". Vor allem vor dem Hintergrund, dass im Sommer wochenlang um die Wunschstärke gekämpft worden war. Erst durch die Bereitschaft der Bayernligisten EHC Waldkraiburg, Höchstadter EC und EV Lindau, den Schritt nach oben zu wagen, war die Oberliga Süd auf zwölf Teams gekommen. Zumindest die Planungen zum Jahresende können Meiler und Trainer Markus Berwanger etwas entspannter angehen. Denn neben dem Heimspiel am 23. Dezember ist damit auch die Fahrt nach Schönheide am 30. Dezember hinfällig.

Jetzt hoffen alle, dass der nächste Knall in der Oberliga Süd vermieden werden kann. Wie bereits seit einigen Wochen bekannt ist, steht auch beim EV Landshut das Profi-Eishockey auf der Kippe. Stefan Endraß, Geschäftsführer der Landshuter Eishockey Spielbetriebs GmbH (L.E.S.), hofft auf einen Schuldenschnitt durch die Gläubiger. Sonst droht auch beim niederbayerischen Traditionsverein möglicherweise schon in den nächsten Tagen die Insolvenz ...

Da fehlen uns mindestens 6000 Euro in der Kasse.Thomas Siller, Vorsitzender der Blue Devils
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