18.08.2014 - 00:00 Uhr
Sport

Erwartungen nicht erfüllt: DLV sieht trotz EM-Dämpfer gute Perspektiven für Olympia - Zwei Mal ... Magere deutsche Medaillen-Ausbeute

Trotz des herben EM-Rückschlags in Zürich mit nur acht Medaillen sieht der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) weiterhin eine gute Perspektive für Olympia 2016.

Versöhnlicher Abschluss: Sven Knipphals, Lucas Jakubczyk, Julian Reus und Alexander Kosenkow (von links) liefen in der Staffel über 4 x100 m auf den Silberrang. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Allerdings müssen Aktive und Verband erstmal verdauen, mit der schlechtesten EM-Bilanz seit 2006 in Göteborg, wo elf Medaillen (4 Gold/5 Silber/1 Silber) heraussprangen, in die Heimat zurückzukehren. "Die Pflicht ist erfüllt", resümierte DLV-Präsident Clemens Prokop am Sonntag. "Bei der Kür sind aber nicht alle Hoffnungen aufgegangen."

Ohnehin sei die EM 2012 in Helsinki, bei der Deutschland mit 16 Medaillen Europas Nummer eins war, nicht mit der in der Schweiz vergleichbar. "Wegen der Olympischen Spiele in London hatten viele ausländische Topstars auf die EM verzichtet. Diesmal waren alle da." Sein Sportdirektor Thomas Kurschilgen wollte den dritten Platz im Medaillenspiegel hinter starken Briten und Franzosen (je 23 Medaillen) nicht als Gradmesser sehen: "Der Medaillenspiegel ist kein Abbild des komplexen Leistungsbildes." In der Nationenwertung lagen die Deutschen sogar nur auf Platz vier.

Im meist verregneten und häufig stürmischen Zürich blies den Assen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) ein kräftiger Wind entgegen, dem das mit einem Altersdurchschnitt von 25,2 Jahren jüngste EM-Team seit 1990 nicht immer trotzen konnte. Immerhin waren 24 der 92 Athleten gerade mal 23 Jahre alt oder jünger. Dazu gehörten leistungsstarke Youngster wie der Zehnkämpfer Kai Kazmirek, die 1500-Meter-Läufer Homiyu Tesfaye und Timo Benitz oder Diskuswerferin Shanice Craft.

"Die Perspektive ist auf die Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro ausgerichtet", sagte Prokop. "Und eine ganze Reihe von jungen Athleten haben hier Ausrufezeichen gesetzt." Verlassen konnte sich der Verband wieder auf seine Spitzenkräfte: Olympiasieger Robert Harting (Diskus), Weltmeister David Storl und Christina Schwanitz (beide Kugel) marschierten wie selbstverständlich zu Gold. Völlig überraschend holte Hindernisläuferin Antje Möldner-Schmidt noch den vierten Titel. Dreimal Bronze durch Talent Craft, Linda Stahl (Speer) und Cindy Rohleder sowie Silber durch das deutsche Sprint-Quartett der Männer kamen zur mageren Bilanz hinzu.

"Die Leistungsträger setzen die Benchmarks für das Nationalteam auf dem weiteren Weg nach Rio", sagte Kurschilgen. An Athleten wie Mannschaftskapitän Harting könne sich "das Team anlehnen und ausrichten". Trotz des Individualismus in der Leichtathletik gehört die Ausprägung des Gemeinschaftsgefühls zum DLV-Konzept. "Ein Schlüssel des Erfolges ist, dem Team zu vermitteln, wenn man miteinander agiert, emotional sich trägt und unterstützt, kann man den maximalen Erfolg erreichen", so Kurschilgen.

Viele Verletzte

Dass es bei der EM keinen erneuten Höhenflug gab, lag auch an der langen Liste fehlender Topathleten. Besonders betroffen von Ausfällen war der Stabhochsprung: Weltmeister Raphael Holzdeppe und Hallen-Vizeweltmeister Malte Mohr verzichteten wegen Formschwäche, verletzt mussten der Olympia-Zweite Björn Otto, die WM-Zweite Martina Strutz und Silke Spiegelburg passen. Bei den Zehnkämpfern wurde Vizeweltmeister Michael Schrader durch eine Blessur mattgesetzt, Titelverteidiger Pascal Behrenbruch war nicht fit. Im Speerwurf waren die aktuelle Weltmeisterin und der frühere Titelgewinner, Christina Obergföll (Babypause) und Matthias de Zordo (verletzt), nicht am Start. "Diese Ausfälle kann kein Nationalteam der Welt kompensieren", sagte Kurschilgen.

"Wir sind mit einem jungen Team auf dem Weg nach Rio und ich hoffe, dass die Leistungsträger zurückkehren", sagte DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska. "Dann können wir dort bestehen." In Zürich konnte man vor allem mit den Franzosen, Briten und Russen nicht mithalten. "Das Niveau ist in vielen Disziplinen unheimlich hoch. Im Gesamtkontext ist die EM näher an die Weltspitze gerückt", analysierte Gonschinska.

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