Formel 1
Wer wird Rosberg-Nachfolger

Nico Rosberg zeigt seinen WM-Pokal bei der Spendengala "Ein Herz für Kinder". Während der zurückgetretene Formel-1-Weltmeister demnächst zum unbefristeten Urlaub in die Karibik fliegt, muss Mercedes seine Hausaufgaben bei der Suche nach einem Rosberg-Nachfolger machen. Bild: dpa

Wer ist Mister X? Mit seinem Rücktritt hat Nico Rosberg Mercedes unter Zugzwang gesetzt. Im Eiltempo muss ein neuer Pilot gefunden werden. Das verlangt Detailarbeit. Rosberg freut sich indes auf einen ausgedehnten Urlaub - erstmal ohne festen Rückflug.

Sindelfingen/Berlin. Nach dem Schock-Abschied von Weltmeister Nico Rosberg stürzt sich Formel-1-Branchenprimus Mercedes in das Casting von Mister X. Auf der Suche nach einem neuen Teamkollegen für Lewis Hamilton wollen die auf diesen Extremfall komplett unvorbereiteten Silberpfeile die Verträge aller Kandidaten bis ins Detail prüfen. "Es gibt viele Verträge, die Performance-Klauseln enthalten, in denen viel Kleingedrucktes steht", sagte Teamaufsichtsrat Niki Lauda der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Es ist nun unsere Pflicht, diese Klauseln zu finden bei den Fahrern, die uns interessieren."

Lauda und vor allem Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff sind bei dieser detektivisch anmutenden Aufgabe gefordert. Bis Ende des Jahres soll der Neue gefunden sein. Ein Cockpit beim dominierenden Team der vergangenen drei Jahre hat einen enormen Reiz. Doch Anfang Dezember haben viele Fahrer wie Sebastian Vettel oder Fernando Alonso ihre Verträge für die nächste Saison schon längst in der Tasche.

"Wir haben eine Vielzahl von Optionen, auch arrivierte Fahrer", versicherte Wolff, der Fahrer aber nicht mit juristischen Mitteln aus ihren laufenden Verträgen herausholen will. Aus seiner Sicht sind Ferrari-Star Vettel oder die Red-Bull-Piloten Max Verstappen und Daniel Ricciardo tabu. Alle drei haben wohl keine Ausstiegsklausel, Mercedes will keinen Streit mit der Konkurrenz. Routinier Alonso würde nach zwei Frustjahren bei McLaren ein Angebot Wolffs wohl nicht ausschlagen. Fraglich ist aber, ob die Briten den zweimaligen Weltmeister freigeben würden. Zudem lieferte sich Alonso 2007 mit Hamilton ein vergiftetes WM-Duell. Eine Option wäre der Mercedes-Nachwuchs. Doch auch mit Blick auf die Regelreform 2017 wären die unerfahrenen Silberpfeilzöglinge Pascal Wehrlein und Esteban Ocon ein Risiko.

Auf Abschiedstour

Mit der komplizierten Suche nach seinem Nachfolger muss sich Rosberg nicht befassen. Der gebürtige Wiesbadener genießt seine Abschiedstour ausgiebig. 17 000 Menschen jubelten dem 31-Jährigen am Samstag im Mercedes-Benz-Werk in Sindelfingen zu, nur wenige Stunden später besuchte er schon mit Frau Vivian eine Benefizgala in Berlin. Einen Rücktritt vom Rücktritt schloss der WM-Sieger aus. Der Formel 1 will Rosberg nach einem ausgedehnten Urlaub in der Karibik ohne festen Rückflugtermin, wie er vergnügt anmerkte, dennoch treu bleiben. "Der Sport ist ja meine Leidenschaft, der beste Sport auf der Welt, finde ich, und deshalb werde ich da auch irgendwie tätig sein", sagte er auf der Wohltätigkeitsveranstaltung.
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