04.07.2017 - 20:00 Uhr
Sport

Frauen-Baseball in Gaza: Zeichen der Emanzipation Mit Kopftuch um den Sieg

Gaza. Iman Almuger kannte Baseball nur aus amerikanischen Filmen. Noch nie hatte die Palästinenserin das Spiel mit dem kleinen weißen Ball und dem langen, schmalen Schläger im Gazastreifen gesehen oder gespielt. Doch plötzlich hörte sie von einem neuen Baseballteam für Frauen in Gaza. "Es war etwas Einzigartiges", sagt die 24-jährige Fitnesstrainerin - und meldete sich an.

Iman Almuger hat an dem Sport Gefallen gefunden. Die Fitnesstrainerin träumt davon, vom Baseballspielen leben zu können. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Seit Anfang des Jahres trainiert Mahmud Tafisch Frauen im Baseballspiel. Er sagt, er sei der Erste im Gazastreifen, und auch bei den Vereinten Nationen kennt man kein vergleichbares Angebot. Doch in der konservativen Gesellschaft des abgeschotteten Küstengebietes sind nicht alle von der Idee begeistert.

"Ich bin ein junger Mann, der junge Frauen trainiert", sagt der 35-Jährige mit den kurzen schwarzen Haaren und dem akkurat gestutzten Vollbart. "Das ziemt sich in unserer Gesellschaft nicht." Bekannte hätten ihn kritisiert. Er habe jedoch betont, er sei nun mal der einzige Trainer für Baseball im Gazastreifen. Er werde die Frauen nur solange trainieren, bis sie selbst gut genug dafür seien.

Das Küstengebiet steht seit rund zehn Jahren unter einer Blockade Israels und mittlerweile auch Ägyptens. Die rund zwei Millionen Menschen leiden unter anderem darunter, dass es täglich nur wenige Stunden Strom gibt. Die Arbeitslosigkeit liegt bei rund 43 Prozent. Die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas riss 2007 gewaltsam die alleinige Herrschaft im Gazastreifen an sich.

Nur mit Unterstützung der Al-Aksa-Universität in Gaza fand Mahmud Tafisch einen Sportplatz, um mit den Frauen zu arbeiten. Immerhin musste gewährleistet sein, dass keine Männer zuschauen oder in das Spiel eingebunden sein könnten. Er selbst achtet darauf, die Frauen beim Training nicht anzufassen und beispielsweise ihre Haltung nur mit Aussagen zu korrigieren. Tafisch hält die Sportart für geeignet für die jungen Frauen. Baseball sei weniger aggressiv als etwa Basketball oder Fußball, sagt er.

Für Fitnesstrainerin Almuger ist der Sport einfach eine gute Mischung: "Ich sehe Baseball als eine Kombination aus vielen Sportarten: Fitness, Rennen, Koordination zwischen Nerven und Muskeln und den Körper flexibel zu halten", sagt die junge Frau - mit Kopftuch, langärmeligem T-Shirt, Trainingshose und Turnschuhen bekleidet - am Rande des Kunstrasenfelds.

Almuger träumt davon, ihren Job für das Baseball-Spiel aufgeben zu können. Bis zu drei Mal pro Woche kommen die 18- bis 27-Jährigen in der Stadt Gaza zusammen, mittlerweile sind es insgesamt 70. Die meisten von ihnen haben Sport studiert - wie Almuger.

Die schwierigen Bedingungen im Gazastreifen beeinflussen allerdings auch das Spiel. "Wir haben ein wirklich großes Problem mit der Ausrüstung", sagt Tafisch. "So etwas gibt es hier in Palästina überhaupt nicht." Der Trainer verdient sein Geld als Mitarbeiter der Palästinensischen Autonomiebehörde.

Einen Baseball-Handschuh haben Spender aus Europa nach Gaza geschickt. Der Holzschläger ist selbst geschnitzt, der Ball ein Tennisball, und ein schwarzer Wurfhandschuh ist vom Schneider genäht worden.

Trainer Tafisch, der früher Profi-Fußballer war, hat auf jeden Fall große Pläne. Im Herbst will er in einem Auswahlturnier ein Team mit den besten Spielerinnen zusammenstellen. Dieses soll anschließend gegen Teams aus anderen arabischen Ländern antreten, wie Irak oder Tunesien. 2020 soll es nach Tokio gehen - zu Olympia. Dort werden dann allerdings auch Männer zuschauen.

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