05.06.2002 - 00:00 Uhr
Sport

Freizeitkult der 70er Jahre: Trimm-Dich-Pfade von Inline-Skates und Mountainbikes überholt Trimm-Dich-Pfade sind nicht überall in Bestform

Von Stefan Zaruba

Amberg/Weiden. Klimmzüge an der Eisenstange. Hinter der nächsten Wegbiegung Sprünge über Holzstämme. Dazwischen ein lockerer Waldlauf. Das war Fitness-Kult in den 70er Jahren. Danach blieben die Trimm-Dich-Pfade im Wald oft nur noch für Holzwurm und Rost ein gefundenes Fressen. Nur wenige Schwitz-Strecken sind heute noch gut in Form.

von Redaktion OnetzProfil

Wie viele Trimm-Dich-Pfade, oder kurz "Trimm-Pfade", es überhaupt noch gibt, ist schwer zu schätzen. Die Bayerische Staatsforstverwaltung weiß von 88 in den eigenen Wäldern. Allesamt klassische Anlagen der 70er Jahre. Damals seien sicher mehr gebaut worden, allerdings ist für viele der Holzkonstruktionen die Uhr inzwischen abgelaufen. "Wenn wir sehen, dass die Geräte verrotten und nicht mehr angenommen werden, wird der Trimm-Pfad abgebaut." Nur bei kosmetischen Reparaturen investiert der Forst noch in die 18 Anlagen, die in Eigenregie betrieben werden.

Die übrigen 70 Parcours liegen zwar im Staatsforst, den Unterhalt sollten aber Kommunen oder Vereine gewährleisten. Genauso wie für Anlagen in Privatwäldern. Weder für deren Zahl noch ihren Zustand gibt es zuverlässigen Daten. Zwar seien in der Hochphase allein beim Deutschen Sportbund (DSB) zwei bis drei Anfragen pro Woche nach Bauunterlagen eingegangen, sagt DSB-Breitensportberater Gerhard Bergel. Die Anlagen seien dem DSB gegenüber aber nicht meldepflichtig gewesen.

Von anderen Sportarten verdrängt

Die Welle rollte relativ lange durchs Land: "1986 bis 1988 ist das abgeebbt", sagt Bergel. Die Ursachen sind vielschichtig: Aerobic kam als Mode auf, später Mountainbike-Fahren, heute Inline-Skaten. Zudem habe mangelnder Unterhalt so manches Trimm-Dich-Pfades die Benutzer abgeschreckt. Das Laufen selbst übrigens sei keineswegs eingeschlafen, weiß der Berater. Das bewiesen die Aktivitäten der Sportvereine und steigende Mitgliederzahlen im DSB.

"Gehen, laufen oder hüpfen" ist noch auf einem Schild im Fischerberg-Waldgebiet bei Weiden zu lesen. Doch die Hinweistafel liegt auf dem Boden, die Geräte des Trimm-Dich-Pfads im Hölltal sind längst verrottet. Weil sich niemand fand, der den Anfang der 70er Jahre gebauten Pfad in einem idyllischen Waldgebiet nach den ersten Schäden erhalten wollte, blieben die Stationen sich selbst überlassen und rotteten dahin. Ausgediente Schilder liegen als Unrat im Wald.

Trimm-Dich-Pfade sterben aus

Eine klassische Karriere hat auch der Trimm-Dich-Pfad am Rauhen Kulm bei Neustadt am Kulm (Kreis Neustadt/WN) gemacht. Die erste Beschilderung war bald verrottet und musste ersetzt werden. Danach wurden die Geräte baufällig und abgebaut. Vom Trimm-Dich-Pfad in Windischeschenbach (Kreis Neustadt/ WN) sind ebenfalls nur noch Reste übrig. Von Anfang der 70er bis in die 80er Jahre hinein wurde die Strecke gut angenommen, dann verfielen die Stationen allerdings zusehends.

Die Gemeinde Parkstein (Kreis Neustadt/WN) hat vor wenigen Jahren mit einem überarbeiteten Konzept ihren alten "Trimm-Pfad" im ausgedehnten Forstgebiet am Fuß des Basaltkegels wieder zum Leben erweckt. Nun sind nicht mehr zahlreiche Stationen über die Laufstrecke verteilt, sondern wenige Geräte teilen sich einen zentralen Platz.

Pfad auf Schandorfer Weinberg gut in Schuss

Gut in Schuss ist der Trimm-Dich-Pfad auf dem Schwandorfer Weinberg. "Es wäre fast eine Sünde, wenn man sich nicht mehr drum kümmert", findet deshalb Stadtsprecherin Johanna Weingärtner. Am Rand der Besiedelung sind 20 Stationen entlang der Strecke aufgereiht. Jede Woche wird die Strecke von Unrat gereinigt. Wenn Geräte verschlissen oder mutwillig zerstört seien, würden sie ausgewechselt, allerdings machten Vandalen kaum Arbeit. "Wir haben mit Kinderspielplätzen mehr Ärger." Stark frequentiert ist der Trimm-Dich-Pfad Obere Wagensaß (Sulzbach-Rosenberg). Dort veranstaltet der TuS Rosenberg seinen Lauftreff, und die Volkshochschule Amberg-Sulzbach hat die Strecke für ihre Walking-Kurse ausgewählt.

Generalüberholung der Laufparcours bei Tirschenreuth

Der Laufparcours bei Tirschenreuth erfährt zurzeit eine Generalüberholung. Die zweieinhalb Kilometer lange Trasse wird neu mit Kies belegt, sagt Stadtförster Ewald Rumrich. Auf die Geräte haben die städtischen Mitarbeiter ein besonderes Auge; regelmäßig werden die Stationen entlang der Strecke auf Betriebssicherheit kontrolliert. "Die werden nach Bedarf repariert oder ersetzt," sagt Rumrich, auch wenn er beobachtet hat, dass viele Läufer die Geräte links liegen ließen und sich mehr auf den Laufrhythmus konzentrieren.

Schon richtig runtergekommen war vor einem Jahrzehnt der Trimm-Dich-Pfad bei Bodenwöhr. Allerdings hat der Bauhof der Gemeinde ihn inzwischen wieder in Form gebracht. Erst jetzt im Frühjahr ist ein großes Gerät erneuert worden. "Wir haben auch alle Schilder wieder neu gemacht", sagt Walter Hildwein vom Bauhof. Während Stammläufer meist ohne Pausen durchliefen, nutzten vor allem Feriengäste die Übungsstationen.

Mangelnde Akzeptanz der Geräte

Auch in Neustadt/WN kennt Bauhofleiter Johannes Neumann das Problem der mangelnden Akzeptanz der Geräte. "Ich habe noch keine fünf Leute gesehen, die sie richtig benutzen", sagt er, obwohl auf der Strecke viele Jogger unterwegs sind. Der alte Trimm-Dich-Pfad war zwischenzeitlich bereits verfallen, so errichtete die Stadt während der 90er Jahre eine neue Strecke. Ins Schwitzen kommen heute vor allem die Bauhof-Mitarbeiter, wenn sie Schäden ausbessern.

In Mantel (Kreis Neustadt/WN) kümmert sich der Oberpfälzer Waldverein um den Trimm-Dich-Pfad. "Der wird immer gut gepflegt", sagt Vorsitzender Friedrich Janner und weiß um die Arbeit, die der Unterhalt macht. Der Pfad profitiert von der Nähe zu Weiden.

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