Fußball 2. Bundesliga
Der Club eiskalt

Der Nürnberger Hanno Behrens (links) brachte mit seinem Tor zum 1:0 die frierenden Fans zum ersten Mal zum Kochen. Bild: dpa

FCN gegen FCK, neunfacher gegen vierfachen deutschen Meister. Das Spiel erwärmte früher jedes Fußballherz. In der Gegenwart ist's eher das Gegenteil.

Nürnberg. Hätte Guido Burgstaller nicht in der 90. Minute den 2:1-Siegtreffer für den 1. FC Nürnberg erzielt, würde sein Trainer Alois Schwartz wohl in der Coachingzone festgefroren sein. Im letzten Spiel des Jahres gegen den 1. FC Kaiserslautern stand er gefühlte 89 Minuten regungslos in der äußersten Ecke seines Arbeitsbereichs, die Arme verschränkt. Und das obwohl es im Nürnberger Stadion lausig kalt war.

Die müde erste Hälfte konnte keinen der knapp 25 000 Zuschauern erwärmen. Sogar die Sanitäter hüpften neben dem Spielfeld in ihren dicken Jacken auf und ab, um sich etwas aufzuheizen. Nur Alois Schwartz - zunächst noch in Trainingsjacke - bewegte sich nicht, nur sein Kopf schwenkte von links nach rechts. Dreimal rührte sich der Club-Trainer dann doch. Ein Abstoß von FCK-Torhüter Julian Pollersbeck flog im hohen Bogen auf die Nürnberger Auswechselbank zu, Schwartz ging vier Schritte nach links und fing die Kugel ab. Eine Szene, die das Spiel bestens beschreibt: Den Spielern sollte an diesem Tag wenig gelingen. Vor allem vor der Pause war nahezu gar nichts los auf dem Platz - bis auf das Tor von Dave Bulthuis, das fälschlicherweise wegen Abseits aberkannt wurde. Ansonsten bestimmten beide Abwehrreihen. Alois Schwartz sagte nach dem Spiel über den ersten Durchgang: "Wir haben ein bisschen Respekt gehabt. Wir wollten unbedingt Konter vermeiden. Das ist uns gut gelungen."

Spiel nimmt Fahrt auf

Seine zweite größere Regung folgte nach dem Führungstreffer von Hanno Behrens in der 51. Minute. Per Kopf nach einem Eckball. Kaiserslauterns Trainer, Tayfun Korkut, beschrieb es treffend: "Das war typisch für dieses Spiel." Jetzt nahm die Partie endlich Fahrt auf. Schwartz jedoch blieb ruhig. Wahlweise hatte er nun die Hände in den Hosentaschen. Bis zur 78. Minute. Denn da glich der FCK aus, Jacques Zoua traf ebenfalls per Kopf nach einer Ecke.

Die Hände des Nürnberger Trainers wanderten jetzt hinter den Rücken, die Ecke seiner Coachingzone verließ er jedoch nicht. Ganz anders in der 90. Minute, als Guido Burgstaller mit seinem 14. Saisontreffer die Nürnberger Fans erlöste und seinen Coach aus der Ecke lockte. Schwartz jubelte, klatschte und legte mindestens fünf Meter zurück. Nach dem Spiel lobte er seinen Top-Torjäger: "Wir haben einen Burgstaller, der aus wenig viel machen kann. Er ist schwer zu verteidigen, weil er mit beiden Füßen abschließen kann."

Bestes Geschenk

Burgstaller, dessen Zukunft beim Club weiter ungewiss ist, dachte an die Zuschauer: "Wir hatten vor eigenem Publikum noch einiges gut zu machen. Insgesamt war es eine gute Leistung und ich denke, das war ein schönes Geschenk zum Jahresabschluss für uns und die Fans."

Wir haben ein bisschen Respekt gehabt. Wir wollten unbedingt Konter vermeiden.Alois Schwartz
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