16.02.2018 - 22:34 Uhr
Deutschland & Welt

Fußball Bundesliga Finaler Schlagabtausch beim HSV

Hamburg. Auf dem Rasen ringt der Hamburger SV verzweifelt um seine Erstliga-Existenz, in den Funktionärsbüros tobt derweil ein Machtkampf. Es geht um die Präsidentschaft beim Gesamtverein HSV mit seinen rund 78 000 Mitgliedern in mehr als 30 Abteilungen. Am Sonntag wird bei der Mitgliederversammlung des Vereins die dreiköpfige Führungsspitze gewählt. Vordergründig geht es um Tischtennis, Eltern-Kind-Turnen und Tanzen. Tatsächlich aber steht der Profifußball im Fokus.

Jens Meier (links) will Präsident bleiben, Bernd Hoffmann zurück an die Vereinsspitze: Die HSV-Mitglieder haben am Sonntag die Wahl. Bilder: Axel Heimken, Marcus Brandt/dpa
von Agentur DPAProfil

Amtsinhaber Jens Meier tritt gegen den ehemaligen Vereinsboss Bernd Hoffmann an. Die unterschiedlichen Charaktere stehen für deutlich divergierende Auffassungen und Führungsstile. Der 51 Jahre alte Meier ist seit 2014 Präsident und setzt auf ein "Weiter so!". Der vier Jahre ältere Hoffmann will umwälzen. Der eine hält sich lieber im Hintergrund, der andere sucht die Öffentlichkeit: Ruhe-Meier gegen Wirbel-Hoffmann. "Kontinuität tut dem Verein gut", sagt Meier und greift damit die Order von Heribert Bruchhagen, dem Vorstandsvorsitzenden der Fußball-AG, auf. "Wir müssen die Qualität der Entscheidungen erhöhen", erwidert Hoffmann und fordert Spitzenkräfte in der Führung.

Der HSV e.V. ist mit 76,19 Prozent Mehrheitsgesellschafter der Fußball-AG. Ohne den e.V. ist Grundsätzliches bei den Fußball-Profis nicht durchzusetzen. Mehr noch: Der Präsident des Gesamtvereins ist ständiges Mitglied im Aufsichtsrat und kann Einfluss auf die AG nehmen.

Hoffmann war von 2003 bis 2011 Vorstandsvorsitzender des HSV. Stolz spricht er von 78 Europacupspielen in jener Zeit und schwarzen Zahlen. Dagegen heute: Sportlich und wirtschaftlich ist der Club ein Desaster. Vergangenes Geschäftsjahr wies der Verein einen Verlust von 13,4 Millionen Euro aus. Die Verbindlichkeiten liegen bei 105,5 Millionen Euro. Hoffmann malt ein Gespenst an die Wand: Der HSV werde "ein großes Problem damit haben, für nächstes Jahr eine Erst- oder Zweitligalizenz zu bekommen".

Meier, hauptberuflich Chef der Hamburger Hafenverwaltung, dementiert. Die Situation sei "keineswegs beunruhigend", sondern deutlich "komfortabler als zu unserem Amtsantritt", behauptet er. Als Hoffmann HSV-Chef war, gab es noch keine ausgegliederte Fußball-AG. Die wollte er zwar immer, biss bei den Mitgliedern aber auf Granit. Heute ist die AG da - und Hoffmann ist entsetzt. Besser als früher geht es dem Verein nicht. Die miserable Finanzlage und der sportliche Niedergang geben ihm im Wahlkampf gegen Meier Munition in die Hand. Der Amtsinhaber versucht mit einer Personalie zu punkten. Angeblich will er Ex-HSV-Stürmer Horst Hrubesch als Berater engagieren. Der Wahl-Sonntag wird in jedem Fall turbulent.

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