11.02.2018 - 21:06 Uhr
Deutschland & Welt

Fußball FC Bayern endlich mal gefordert

Auch ohne den erkrankten Chefcoach siegen die Bayern in der Bundesliga einfach weiter. Heynckes-Assistent Hermann erlebt wie Schalkes Goretzka einen speziellen Abend. Präsident Hoeneß hakt den Meistertitel ab und möchte nun auch in Europa "etwas putzen".

Robert Lewandowski jubelt nach seinem Treffer zum 1:0. Der Bayern-Torjäger egalisierte damit eine Bundesliga-Bestmarke von Jupp Heynckes, der in der Saison 1972/73 für Borussia Mönchengladbach in den ersten elf Heimspielen je mindestens einmal getroffen hatte. Bild: Sven Hoppe/dpa
von Agentur DPAProfil

München. Job erledigt. Der ewige Co-Trainer Peter Hermann konnte seinem erkrankten Chef und Freund Jupp Heynckes nach dem mühsam erkämpften Heimsieg gegen einen mutig auftretenden FC Schalke 04 erleichtert Rapport erstatten. Von Heynckes kam am Samstagabend nach dem 2:1 (2:1) im Topspiel der Fußball-Bundesliga sofort eine SMS mit "Glückwünschen zum Sieg". Von den Bayern-Profis gab es ebenfalls viel Lob und Anerkennung für den 65-jährigen Hermann, der in seinem erfolgreichen Trainerleben den Chefposten gescheut hat und am liebsten der Schattenmann an Heynckes' Seite war und weiterhin ist.

"Bei Bayern gibt es nur eines - gewinnen. Etwas anderes gibt es nicht", sagte Hermann mit leiser Stimme nach den 90 Chefminuten. "Das ist schon etwas anderes. Man ist schon nervöser", gestand der Kurzzeit-Chef. Hermann hatte sich nicht im feinen Anzug wie Heynckes an den Spielfeldrand gestellt, sondern seinen Platz wie gewohnt im Trainingsanzug und mit schwarzen Fußballschuhen eingenommen. Für die gute Nachricht an die Bayern-Fans sorgte Torwart Sven Ulreich: Der 29-Jährige verlängerte seinen auslaufenden Vertrag bis 2021 und verzichtet damit auf die Chance, bei einem anderen Club womöglich dauerhaft die Nummer 1 zu werden. "Ich weiß, was die Job-Beschreibung hier ist. Das ist, Manuel Neuer zu vertreten, wenn er nicht spielen kann", sagte Ulreich. Das ist inzwischen seit fünf Monaten der Fall.

Peter Hermann war froh, als der für ihn spezielle Samstagabend überstanden war. Das galt auch für Leon Goretzka. Den Nationalspieler ärgerte die Schalker Niederlage. Aber der 23-Jährige konnte an seiner künftigen Wirkungsstätte zeigen, dass er reif und bereit ist, sich in der nächsten Saison dem Konkurrenzkampf beim FC Bayern zu stellen. "Wir haben gezeigt, dass wir mit einer Weltklassemannschaft mithalten können", sagte Goretzka nach dem speziellen Abend auch für ihn.

Dass es für die Gäste zu keinem Punktgewinn reichte, lag besonders an Schalke-Torwart Ralf Fährmann, der beim ersten Gegentor von Robert Lewandowski (6. Minute) unglücklich agierte und beim Siegtreffer von Thomas Müller (36.) wie in der Vorwoche beim 1:2 gegen Bremen schon wieder entscheidend patzte. Er habe den Ball "reingelogen", sagte Schlitzohr Müller, der aus unmöglichem Winkel traf. Absicht war das Glückstor nicht. "Ich wollte den Ball auf jeden Fall heiß machen und scharf vors Tor bringen. Dass er direkt ins kurze Eck geht, war auch ein bisschen Schicksal", sagte Müller. Für Schalke reichte es nur zu einem Tor von Franco di Santo zum 1:1 (28.). "Wir waren total auf Augenhöhe", urteilte Heidel.

Sogar die Bayern sagten "Danke Schalke". Denn angesichts der Überlegenheit in der Liga - 18 Punkte Vorsprung auf Platz zwei - ist Gegenwehr mit Blick auf die bald anstehenden Prüfungen in Europa willkommen, wie Präsident Uli Hoeneß im "aktuellen Sportstudio" des ZDF erklärte: "Schalke hat uns total gefordert. Das brauchen wir, wenn wir in der Champions-League etwas putzen wollen."

Wir haben gezeigt, dass wir mit einer Weltklassemannschaft mithalten können.Leon Goretzka
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