08.03.2018 - 21:58 Uhr
Deutschland & Welt

Fußball HSV wagt personellen Schnitt

Der Hamburger SV beurlaubt seine Führung: Vorsitzender Bruchhagen und Sportchef Todt müssen gehen. Präsident Hoffmann präsentiert sich als starker Mann. Hollerbach soll Trainer bleiben - vorerst zumindest. Am Samstag tritt die Mannschaft bei Bayern München an.

Präsident Bernd Hoffmann macht beim Hamburger SV Tabula rasa: Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen (links) und Sportdirektor Jens Todt sind von ihren Aufgaben entbunden. Bild Marius Becker/dpa
von Agentur DPAProfil

Hamburg. 18 Tage war Bernd Hoffmann als Präsident des Hamburger SV im Amt, dann löste er ein mittelschweres Beben im Volkspark aus: Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen weg, Sportchef Jens Todt weg. Trainer Bernd Hollerbach darf bleiben - vorerst. "Stand heute halte ich einen Trainerwechsel nicht für möglich. Hollerbach ist Bestandteil des Teams", sagte der nun amtierende Vorstandschef Frank Wettstein am Donnerstag.

"Wir wollen einen ersten Impuls setzen für die Neuausrichtung im Verein", begründete Hoffmann die doppelte Freistellung. "Ein Neustart ist zwingend notwendig." Der HSV ist mit lediglich 18 Punkten nach 25 Spielen Tabellenvorletzter und steuert in rasanter Fahrt seinem ersten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga entgegen. Die Personalentscheidung, da ist sich der Aufsichtsrat einig, wird den Abstieg des Dinos nicht aufhalten. Aber sie soll den Weg bereiten für neue Strukturen, neue Köpfe in der Führung und neue Profis auf dem Rasen.

Der Aufsichtsrat hatte sich am Mittwochabend einstimmig zur Bruchhagen-Beurlaubung durchgerungen. Danach wurde Wettstein, Finanzvorstand und bislang Bruchhagens Stellvertreter, informiert. Der 44 Jahre alte Betriebswirt setzte auf Betreiben der Kontrolleure Todt vor die Tür. Denn das konnte der Aufsichtsrat nicht selbst übernehmen, dafür ist laut Satzung der Vorstand zuständig. Mit Wehmut hat sich indes Bruchhagen verabschiedet. "Ich wünsche mir, dass sich die Entscheidungen des Aufsichtsrates als richtig erweisen", sagte der scheidende Vorstandsvorsitzende. Er sei guten Glaubens gewesen, dass der HSV gut aufgestellt in die Saison 2017/18 gehe. "Das hat sich als Trugschluss erwiesen. Die Verantwortung übernehme ich", sagte der 69-Jährige.

Wettstein soll nur vorübergehend das Gesicht der Fußball-AG sein. Der Kopf ist unbestritten Hoffmann, eigentlich nur Präsident des Universalsportvereins HSV mit seinen mehr als 30 Sportarten. Dennoch räumt Macher Hoffmann in seiner zweiten HSV-Amtszeit (nach 2003 bis 2011) bei den Profis auf. Das kann er mithilfe seines Postens im Aufsichtsrat, der ihm als e.V.-Präsident zusteht. Um seine Macht und seine Umbruchabsichten zu untermauern, wurde er am Mittwochabend zum Aufsichtsratsvorsitzenden gekürt. Erst zwei Wochen zuvor war er als stellvertretender Chef ins Kontrollgremium eingeführt worden.

Neun Spieltage vor Ultimo versucht jeder Verantwortungsträger beim HSV das Fünkchen Hoffnung auf Klassenverbleib am Glimmen zu halten. "Wir arbeiten alle am Wunder - oder am Neustart", sagte Hoffmann. Bei der Planung des Kaders für die nächste Saison will er sich Zeit lassen. "Qualität der Entscheidungen geht vor Schnelligkeit", lautet seine Maxime. Die Aufgaben von Sportchef Todt soll jetzt der für Nachwuchs und Strukturen zuständige Direktor Sport Bernhard Peters im Verbund mit dem erst vor Kurzem von RB Leipzig geholten Chefscout Johannes Spors übernehmen. Trotz emotionaler Nähe zu seinem Ex-Verein will Felix Magath keine Verantwortung beim HSV übernehmen. "Ich sehe da keine Möglichkeit mit den Personen, die beim HSV sind", sagte der frühere Profi.

Wir wollen einen ersten Impuls setzen für die Neuausrichtung im Verein.Bernd Hoffmann, Präsident des HSV
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